Blackfacing: Von Moskau bis Wuppertal

Tanz - Logo

Ist das noch politisch korrekt oder schon totalitär? Die Frage ist inzwischen im Sprechtheater angekommen, in Gestalt von Thomas Melles kurz vor Jahresende am Deutschen Theater Berlin uraufgeführter «Ode» – einer Abrechnung mit den Auswüchsen neuer Bilderverbote. Beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch sorgen sie derzeit für Kopfzerbrechen, im Vorfeld einer USA-Tournee von «Palermo, Palermo». Pina Bausch hat dort eine Szene eingebaut, die mittlerweile potenziell unter «Blackfacing»-Verdacht steht: Dominique Mercy pinselt sich das Gesicht mit schwarzer Farbe an.

Was tun? «Wir lassen auf keinen Fall Szenen weg, denken aber noch über eine Lösung nach», heißt es auf Anfrage von tanz aus Wuppertal. 

Genau das sollten allerdings viel eher die Kollegen vom Bolschoi tun, die sich in den späten Ausläufern von 2019 mit Misty Copeland anlegten. Der dunkelhäutige Star des American Ballet Theatre hatte ein (wahrhaft grausliges) Foto retweetet, das davor von zwei Moskauer Jungtänzerinnen rätselhafterweise ins Netz bugsiert worden war. Es zeigte zwei sozusagen ganzkörpermaskierte Mädels in negroider Montur, angeblich für «La Bayadère» geschminkt. Copelands Zorn kannte keine Grenzen, Bolschoi-Chef Vladimir Urin keilte zurück: »Wir haben das immer so gemacht.» Wer Tradition derart gedankenlos mit betriebsblinder Routine verwechselt, hat irgendwas grob missverstanden. 

 



Tanz Februar 2020
Rubrik: Side Step, Seite 26
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Die Professorin: Juliana Sabino Wilhelm

Seit August sind Sie, gerade mal 28 Jahre alt, Professorin für Klassischen Tanz an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. Wie fühlt sich das an? Ich fühle mich geehrt, dass mir dieses Vertrauen entgegengebracht wird, und sehe zugleich die Verantwortung. Die Palucca Hochschule setzt auf fortschrittliche Entwicklungen in der Ausbildung im Klassischen Tanz. Ich bin sehr froh, dazu...

Gefühlsrausch

Die Akademie der Künste im Berliner Tiergarten hat wenig architektonisches Erregungspotenzial zu bieten: ein zweckdienlicher Bau mit großen Fenstern mitten im Grünen, der gleichwohl Kultstatus genießt. Mithin der richtige Ort, um Ursula von Keitz und Ralf Stabel zu treffen: Sie leitet das Potsdamer Filmmuseum, er die Staatliche Ballettschule Berlin – beide sind also mit Kultphänomenen...

Ausstellungen 2/20

Dancing Machines 

In Besançon, 160 Kilometer von Basel entfernt, findet derzeit eine sehr bemerkenswerte Gruppenausstellung statt – mit Künstlern wie Senga Nengudi, -Tony Oursler, Erwin Wurm und mit Choreografen wie William Forsythe, La Ribot und Wagner Schwartz. Die Ausstellung will nichts weniger als hinterfragen, wie genau diese beiden Disziplinen ineinandergreifen und miteinander in...