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Die Jury der «Tanzplattform Deutschland 2020» hat viel gesehen und viel diskutiert. Jetzt soll das Publikum mitmischen, findet Gurur Ertem. Über den Auswahlprozess und das Ergebnis spricht die Jurorin mit Elena Philipp

Gurur Ertem, Sie haben der fünfköpfigen Jury angehört, die das Programm der «Tanzplattform Deutschland 2020» in München bestückt hat. Wie viele Produktionen hat die Jury gesehen?
585 Tanzproduktionen stehen in der Excel-Liste, die das Produktionsteam der «Tanzplattform» für uns erstellt hat. Das waren alle Tanzpremieren der vergangenen zwei Jahre in Deutschland. Für unsere Auswahl kamen Produktionen von Künstlerinnen und Künstlern in Betracht, deren Arbeitsschwerpunkt in Deutschland liegt.

Die Nationalität war dabei kein ausschlaggebendes Kriterium – Tanz in Deutschland ist transnational, die Kunstszene kosmopolitisch. Jede von uns hat dann etwa 180 bis 230 Produk­tionen gesehen, live oder auf Video. 

Wie verliefen die Diskussionen innerhalb der Jury?
Wir haben uns recht offen getroffen und hatten interessante Debatten. Aber niemand von uns hat versucht, individuelle Positionen durchzusetzen.

Die Auswahlkriterien sind nicht festgelegt. Nach welchen Kriterien hat die Jury zwei Jahrgänge Tanz in Deutschland gesichtet?
Die künstlerische Qualität war das erste Kriterium, das wir erwogen haben. Entschieden haben wir uns dabei für eine Arbeit, nicht für einen Künstler. Sehr klar war ...

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Tanz März 2020
Rubrik: Tanzplattform, Seite 17
von Elena Philipp

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