biographie: Régine Chopinot
1985 wurde die französische Choreografin berühmt, als sie mit Jean Paul Gaultier «Le défilé», eine kubistische Modenschau, als Satire herausbrachte; auch Gaultier wurde etwas berühmter, weil er seine Haute Couture über die Tanzszene zu etablieren begann (heute noch arbeitet er etwa mit Angelin Preljocaj). Damals galt diese Grenzüberschreitung als Befreiung und hatte viel Rückenwind in Frankreich, das vom Tanz wahre Heilkräfte für die Gesellschaft erwartete und die Avantgarde als Motor für Innovation verstand.
Ein Vierteljahrhundert später, klagt Régine Chopinot, Leiterin des Ballet Atlantique am Centre Chorégraphique in La Rochelle bis 2008, sei davon nichts mehr übrig: «Der Staat sagt, was Künstler zu tun haben, damit sie Subventionen erhalten, aber er glaubt nicht an sie.»
Diese Einschätzung durchzieht eine brillant geschriebene Biografie von Annie Suquet (die auch auf Englisch erhältlich ist), weil sie sehr genau die Wechselwirkung von künstlerischer Produktivität und politischer Einflussnahme festhält – und damit nicht nur die Historie einer per se rebellischen Choreografin beschreibt, sondern zugleich den kulturkritischen Zeitgeist, wie er auch in Deutschland grassiert.
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