Ben J. Riepe «Holy Shit – A Human Experience»
Die Bühne: ein Tempel. In weißem Rund mit Stoff-Himmel begegnen sich Publikum und Solo-Performer, zunächst zur Meditation. Meditation? Mit Atemtechniken, Bewegungsloop, Ansprache, Musik und Lichteffekten gelingt es Ben J. Riepe, die meisten Zuschauer*innen am Boden, platziert auf hellem Flauschteppich und Kissen, in Ekstase zu bringen. Der Düsseldorfer Choreograf selbst gerät bei der Uraufführung im tanzhaus nrw in Trance, taumelt. Erschöpft geht er schließlich auf sein johlendes Publikum zu: «Ich brauche eine Umarmung!» Ein Reinigungsritual.
Die Weltpolitik, gesellschaftliche Umbrüche und persönliche Erlebnisse haben in Riepe das Bedürfnis nach der Performance-Session ausgelöst. Eine Session, die im zweiten Teil ein Requiem auf die alte Weltordnung ist, ein wilder Rausch von Kunstfiguren, der die globalen Entwicklungen abarbeitet. Zwei Assistent*innen kleiden den Performer an und aus, es entwickeln sich Häutungen im Minutentakt: Riepe wird zum US-Amerikaner mit Käppi (Aufschrift: «Brutal»), zu Sexobjekt, Heiligem, Ritter, Voodoofigur oder Kirchenoberhaupt. Besonders schräg: das Kruzifix aus Metall auf seinem Kreuzbein. Zeitgleich kommentieren Off-Stimmen und er selbst Themen von ...
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Tanz Mai 2026
Rubrik: Kalender, Seite 35
von Bettina Trouwborst
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