Beistand
Wenn wir über Macht reden, ist Machtmissbrauch quasi impliziert. Seit Machiavellis Abhandlung «Il Principe» (um 1513), die rabiat fast jedes Mittel erlaubt, um politische Macht zu stabilisieren, beschreiben die meisten einschlägigen Theorien sie als soziale Beziehung, in der man den eigenen Willen auch gegen andere durchsetzt. Und: Macht hat immer auch mit Gewalt zu tun. Sie nutzt sie, legitimiert sie, funktionalisiert sie, mal uneingeschränkt, unkontrolliert, mal unter scheinbar zivilisierten Rahmenbedingungen und subtil.
Ich reflektiere hier als ehemaliges Direktionsmitglied großer Ensembles über Macht und Machtmissbrauch, und das, ohne selbst jemals Machtmissbrauch durch Choreograf*innen erlebt zu haben. Die Choreograf*innen, weltberühmte, arrivierte, junge, unerfahrene, habe ich stets als ernsthafte, extrem hart arbeitende Kolleg*innen erlebt, die Tänzerinnen und Tänzer respektvoll und wertschätzend behandelt haben. Bei Intendanten sah das anders aus.
Die drei Künstler*innen-Gewerkschaften BFFS, GDBA und VdO (Bundesverband Schauspiel, Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger und Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles e. V.) wollen den Tarifvertrag NV Bühne ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 76
von Bettina Wagner-Bergelt
Sie beide sind ein gutes Beispiel dafür, wie man sich in der Ballettwelt, im Beruf, ein machtfreies Inselchen schaffen kann: Seit dieser Saison sind Sie Mitglieder des neu sortierten Berliner Staatsballetts, kein Paar – sondern allerbeste Freunde. Wie muss man sich überhaupt die Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettkompanie vorstellen?
Chloe Capulong: Das...
Die gegenwärtige politische Lage in der Welt, auch in Deutschland und Europa, führt uns deutlich vor Augen, wie Machtverhältnisse verschoben oder gefestigt werden. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Kunst. Die zunehmende Polarisierung angesichts hoch konfliktträchtiger Verwerfungen und der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien wie der AfD...
Mackenzie Brown
In drei Jahren zur Ersten Solistin: Bei manchen Tänzer*innen weiß man einfach von Anfang an, wohin sie ihre Karriere führen wird. Die junge Amerikanerin bestätigt sämtliche Hoffnungen, die man an der Akademie in Monte-Carlo oder beim «Prix de Lausanne» in sie gesetzt hatte. Nach ihrer Technik fragt schon keiner mehr beim Stuttgarter Ballett, denn...
