Foto: Martin Argyroglo
Barcelona: Ola Maciejewska «Bombyx mori»
Hinter dem dunklen Wirbeln von «Bombyx mori», einem Trio der polnisch-französischen Choreografin Ola Maciejewska, verbirgt sich eine göttliche Geschichte: In der ägyptischen Mythologie entstand das Jenseits als Folge des Mordes an Osiris durch seinen finsteren Bruder Seth. Dieser verteilte die zerstückelte Leiche des Opfers über das gesamte Gebiet Ägyptens. Osiris’ Gemahlin Isis suchte so lange nach den Teilen, bis sie den Körper wieder zusammenfügen konnte.
Isis, Göttin der Geburt wie des Totenreichs, wurde häufig mit Flügeln an den Armen dargestellt. Nun sind im populären orientalischen Tanz seit Ende des vorigen Jahrhunderts seidene Isis-Flügel, die an mit Stöcken verlängerten Armen flattern, wieder in Mode. Was auch als Reminiszenz an Loïe Fullers Serpentinentanz gelesen werden kann, der im Europa des Fin de Siècle Begeisterungsstürme auslöste.
Die Amerikanerin hatte damals diesen Schleiertanz, bei dem der Körper im Wirbel der Isis-Schwingen für Momente völlig verschwand, erfunden und mit schillernden Farbenspielen zu wahren Wunderwerken gesteigert. Deren Schatten beschwört Maciejewska nun herauf. Sie spinnt Fuller mit «Bombyx mori» lateinische Bezeichnung für den Seidenspinner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Helmut Ploebst
Auditions
Choreografin Alexandra Bachzetsis sucht professionelle TänzerInnen im Alter von 20 bis 60 Jahren für ihr Performance-Projekt 2018 – 2020
Audition: 13., 14. November, Gessnerallee Zürich
Bewerbungen: claudia.toggweiler@alexandrabachzetsis.com
NDT 2 Auditions
organised by Nederlands Dans Theater For dancers between the ages of 17 and 21 with complete...
Nussknacker
Allweihnachtlich wird landauf, landab der puderzuckrige «Nussknacker» aus dem Depot geholt. Aber Zürichs Ballettchef Christian Spuck hat keinen auf Lager und legt deshalb eine Neufassung auf. Dafür zieht er E. T. A. Hoffmanns Mär von «Nussknacker und Mausekönig» heran – das schwarzromantische Original. Was neugierig macht, weil die allermeisten...
Es hilft nichts. Kein Rappeln, Rütteln, Reißen. Kein «Sesam, öffne dich!». Das Garagen-Rolltor klemmt. Passanten gucken schon komisch. Der Zutritt zur Homebase der Ben J. Riepe Kompanie bleibt mir verwehrt. Da muss schon der Meister selbst, per Handy aktiviert, herbeieilen. Riepe grinst in seinen blond-roten Vollbart: «Es geht allen so, aber wir können das Tor...
