«Shrine» von Erna Ómarsdóttir; Foto: Jónatan Grétarsson
Kortrijk: Erna Ómarsdóttir «Sacrifice»
Sie ist die «Queen of Screams». Kein Ballett von Erna Ómarsdóttir, das nicht auch eine Kreisch-Operette wäre. Schmerzensschreie, Lustschreie, Angstschreie, Freudenschreie, Zornschreie, Stimmerkundungsschreie, Monsterschreie, Babyschreie, Irrenschreie ... Ómarsdóttir lehrt mit ihrer Iceland Dance Company die Kunst der Differenzierung auch beim Geplärr, und das ist vermutlich die interessanteste Erfahrung in ihrer neuen Arbeit «Shrine».
Der Beginn – großartig. Ein Getümmel wie auf einem düsteren Jahrmarkt.
In einem gigantischen, aufblasbaren Plastikdonut steht eine pinkgekleidete Zuckerfee und singt. Um sie herum lauter abgründig-verführerische Grazien. Eine trippelt possierlich wie ein Schmuckschatullen-Figürchen. Eine andere krabbelt auf allen vieren und gibt das gezähmte Biest, das durch einen hingehaltenen Reifen springt. Zwei Frauen scheinen an den Hüften zusammengewachsen wie siamesische Zwillinge und räkeln sich. Dressierte Frauen? Nicht lange, dann ist die Büchse der Pandora geöffnet, und sie entpuppen sich als Hydren, die mit Perückenteilen die Häupter vervielfältigen. Andere behängen sich mit Fahrradschläuchen, als wären sie Medusa mit dem Schlangenhaar. Und eine Gruppe ...
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Tanz November 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 45
von Nicole Strecker
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