Ballets Suédois 100

Eine Gruppe schwedischer Tänzerinnen und Tänzer traf im Herbst 1920 in Paris ein, bezog Quartier im prestigeträchtigen Théâtre des Champs-Elysées und eroberte die Stadt im Sturm. Die kurzlebige, aber einflussreiche Kompanie würdigt Erik Näslund

Ein schwedisches Ballett in Paris, wie kam es dazu? Der russische Impresario Sergei Diaghilew hatte 1909 für Aufruhr gesorgt, als er der französischen Hauptstadt eine russische Tanzkompanie mit genuin russischem Repertoire vorstellte. Seine «Saison russe» mit Opern- und Ballettvorstellungen im Théâtre du Châtelet sollte nicht nur die Geschichte des Balletts maßgeblich prägen, sondern der aufblühenden westlichen Moderne frische Impulse verleihen. Diaghilew brachte einige der besten russischen Tänzer, Choreografen, Komponisten und Maler zusammen.

Der Stil seiner Ballets Russes war das Ergebnis einer kollektiven künstlerischen Vision – opulent, farbenfroh, erotisch, flirrend, exotisch und sämtliche Sinne betörend. Nationalismus und Modernismus verschmolzen zu einer zeitgenössischen und höchst kosmopolitischen Theaterkunst: einer ästhetischen Neuauflage von Richard Wagners Idee des Gesamtkunstwerks.

Die Synthese schlug sensationell ein: Das klassische Ballett war seinerzeit zur altmodischen ­Unterhaltungskunst verblasst. Männliche Tänzer spielten kaum eine Rolle, hatten einzig in ­Russland und Dänemark den Ballerinen-Kult des 19. Jahr­hunderts als halbwegs bedeutsame ­Akteure ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Traditionen, Seite 46
von Erik Näslund