«Balanchine–Lee–Ivanenko»
Mit «Balanchine – Lee – Ivanenko» bringt das Ballett Kiel einen eindrucksvoll vielseitigen Abend auf die Bühne des Opernhauses. Trotz erschwerter Bedingungen durch Streiks hinter den Kulissen gelang dem Ensemble zur Premiere eine überzeugende Darbietung zwischen Tradition, Abstraktion und Humor.
Eröffnet wird der Abend mit George Balanchines «Allegro Brillante», virtuos, elegant und präzise getanzt. Paul Boos als Stager des Balanchine Trust setzte das Werk mit dem Kieler Ensemble um, das von Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 3 in einer Einspielung begleitet wird.
Kontrastreich folgt Douglas Lees «Gatefall», eine Kreation für Kiel. In nebelverhülltem Bühnenbild und unter kaltem Neonlicht treffen klassische Ballettansätze auf elektronische Klanglandschaften von Nicolas Sàvva. Die reduzierte Ästhetik wird durch die schwarzen, fast unsichtbaren Kostüme unterstrichen. Einzelauftritte der Tänzer*innen strukturieren die abstrakte Choreografie.
Den Abschluss bildet «Skoki Skoki» des Kieler Ballettdirektors Yaroslav Ivanenko. Dank verspiegelter Kiste – eine Art magischer Box –, Lichttricks und musikalischer Zitate aus Jazz und Swing, etwa Louis Armstrongs namensgebendem Song «Skokiaan» von 1954, entsteht eine augenzwinkernde Show, ein Antidot zum derzeit düsteren Zeitkolorit. Tänzer Christopher Carduck scheint mal in, mal außerhalb der Kiste aufzutauchen, und es zeigt sich insgesamt, wie gut Hausherr Ivanenko sein Ensemble kennt: Er hat das Stück mit und für seine Tänzer*innen geschaffen. Die farbenfrohen Kostüme von Angelo Alberto und die Bühne von Eva Adler tragen zum Gelingen dieses heiteren Finales bei.
«Balanchine – Lee – Ivanenko» ist ein abwechslungsreicher Abend, der die Bandbreite zeitgenössischer Ballettkunst demonstriert – und dass die Kieler Kompanie sie beherrscht.
Wieder am 14. Juni, 3. Juli; www.theater-kiel.de
Tanz 2025
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Finn Schamerowski
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