Avignon: Wieder nur Theater?
Der Schock saß tief, und er wirkt nach. Zwei Belgier lösten den größten Pariser Kulturzoff der letzten Jahre aus, als im Théâtre de la Ville Jan Fabre seine Tänzerinnen auf der Bühne urinieren ließ («The Crying Body») und gleich danach in «Sonic Boom» von Wim Vandekeybus ein Akteur damit drohte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Sinn und Inhalt der Stücke wollte niemand mehr diskutieren. Le Figaro forderte, es müsse Schluss sein mit dem «Masochismus», man solle doch endlich als Gegenleistung für Subventionen «schönes, gutes» Theater einfordern.
Die Messer sind gewetzt, wenn zum 59. Festival d’Avignon Jan Fabre als artiste associé die Endfassung seiner «Histoire des larmes» vorstellen und «Je suis sang» von 2001 wieder aufnehmen wird. Jetzt erwarten die Kulturpolitiker «Debatten oder gar Kontroversen». Ein Euphemismus, denn das ganze Programm riecht nach Fabre. Vandekeybus kommt, Lauwers und dazu weitere Zielscheiben des Figaro wie Romeo Castellucci. Im Hof des Papstpalasts spielen Fabre und Mathilde Monnier, aber kein einziges Tanzstück im klassischen Sinn. Dass der artiste associé viele Kumpanen einlädt, kann man ihm nur bedingt vorwerfen. Die Idee ist ja, jedes Jahr eine andere ...
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