Avi Kaiser, Sergio Antonino: «Cave Canem»

Modena

«Warnung vor dem Hund». Das steht auf dem ältesten erhaltenen Warnschild der Welt. Überlebt hat es unter der Lava von Pompeji. Der Hund, nun, das ist wohl der Bürger selbst, schaut man auf die Bühne der beiden Duisburger Choreografen Avi Kaiser und Sergio Antonino.

Um ein Picknick-Tuch auf einer Bühnenwiese aus dem Video von Dimitrios Tsantidis singen und träumen neun Tänzer stumm von Bürgern, die sich vom Staat nichts sagen lassen, weil sie selbst ihn mit Steuern bezahlen.

Im Video herrscht stolze Sommerfrische, Hochzeit und die stolzeste aller Tänzerinnen, Susanne Linke, die vortanzt, was die echte Tänzerschar auf der Bühne sich klatschend, summend, singend an Freiheit nimmt, um von Perfektion und Prinzipien völlig abzusehen. Nur eine Sehnsucht gibt es: Die nach einer Familie, in der keiner verlangt, dass jemand sei wie alle anderen auch.

Zur Musik von Yuval Avital heulen die Tänzer bedeutend schöner als ein Hund. Im Theaterlabor in Bielefeld duftet dieses maghrebinisch klingende Gebell nach Poésie concrète. Die getrommelte, verfremdete, ins Echo getriebene Gitarre schafft es von indonesischer Gamelan-Musik zum kirgisischen Oberton in einem Sprung, als kläffe sie den in den Wind ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 46
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
rosas blättert.

Die Chefredakteurin des Abends nimmt auf dem Programmzettel kein Blatt vor den Mund. Sie widmet ihre «Zeitung» Gérard Violette, schwarz auf weiß. Violettes Zeit als Intendant des Zentrums der französischen Tanzszene, des Théâtre de la Ville in Paris, läuft ab. Das birgt auch Risiken für Brüssels Vorzeigechoreografin, die bereits ihre Residenz in Brüssels Opernhaus...

Barbara Friedrich

Barbara Friedrich arbeitet seit drei Jahren für das Netzwerk TanzRaumBerlin. Mit elf Partnern, vom Staatsballett Berlin bis zur kleinen Studiobühne Ada, verzeichnet die Berliner Knüpferin nun erstmals einen handgreiflichen Erfolg: Die Ufer-Studios, ein ehemaliges Werkstattgelände der Berliner Verkehrsbetriebe, werden auch für das neue Hochschulübergreifende Zentrum...

Tecktonik

«Mortel!» (tödlich) ist unter französischen Jugendlichen ein nicht mehr zu toppender Ausruf der Begeisterung. «Tecktonik Killer» heißen darum Techno-Abende, die der französischen Freizeitindustrie ein tektonisches Beben bescherten. Tecktonik läuft im Metropolis, einem Disco-Raumschiff, das man gar nicht übersehen kann, wenn man von Paris auf der Autobahn in...