Auf der Walz
Caravan und Connemara! Das scheint der Arbeitsplatz zu rufen, zu versprechen, zu mahnen, zu wünschen. Ein Pappschild, an die Wand geklemmt, ein Buch auf dem Schreibtisch von Yvonne Whyte in einem der großen Büroräume von PACT Zollverein. Ansonsten sieht es hier mit Bildschirm und Papieren ganz unspektakulär nach Arbeit aus. Ohne Yvonne Whyte würde bei PACT nichts laufen. Sie ist die gute Seele in der gefliesten Welt der ehemaligen Waschkaue auf der Zeche Zollverein im Norden von Essen.
Kein Seelchen, sondern ein analytisch denkender, handelnder, klar sprechender Mensch, mit Humor, mit der aufrechten Haltung einer ehemaligen Tänzerin – und immer mit einem Schlüsselbund am Hosenbund.
Ihre offizielle Funktion heißt seit Neuestem: Leitung Produktion & Projektentwicklung, Head of production & project development. Yvonne Whyte ist die Oberkoordinatorin des Betriebes. Sie übersetzt und vermittelt sozusagen zwischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten von Künstlern, Produktionen, Gastspielen, Residenzlern, Technikern, Räumen, Regularien. Und sie sorgt dafür, dass jedes veröffentlichte Wort auch auf Englisch erscheint. Die konsequente Zweisprachigkeit aller Programmbroschüren, Abendzettel ...
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Sie ist eine Baumeisterin, eine Architektin von Raum und Zeit, die von der Pike auf gelernt hat, wie man einen Tanzabend konstruiert. Immer war sie mit Haut und Haar in den kreativen Prozess involviert, zuerst als Tänzerin, dann als Choreografin und, im letzten Jahrzehnt, als Artistic Director. Heute konzentriert sie sich mit Leidenschaft darauf, die Entwicklung...
60 Jahre NDT: Kunstkamer
Diese «Kunstkamer» hat tausend Türen, und hinter jeder kommt ein Stück Choreografie zum Vorschein, das ganz eigen ist – denn immerhin handelt es sich um die Jubiläumsproduktion zum 60-jährigen Bestehen des Nederlands Dans Theater. NDT-Chef Paul Lightfoot hat sich dafür den «Thesaurus» von Albert Seba (1665 – 1736) zum Vorbild genommen:...
Kein Conférencier, keine Witze, keine «Tada-Gesten» («seht her, ich hab’s geschafft»), keine Handlung, nicht mal Nummern – kein Zirkus, nichts von dem, was das Varieté sonst so berechenbar in akrobatische Miniaturen zerlegt. Stattdessen sehen wir: reine Choreografie für ein geschlossenes Ensemble ohne Stars. Tapfere acht plus ein Musiker, alle aus dem australischen...
