Arbeitskapital Körper
Seit Jahren ist eine Zunahme der physischen und psychischen Belastungen im professionellen Bühnentanz zu beobachten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielhaft zu nennen sind eine Verdichtung des Arbeitspensums durch den Abbau von Stellen und das Damoklesschwert der auf ein Jahr befristeten, also immer wieder verlängerungsbedürftigen Arbeitsverträge. Stadt- und Staatstheater stehen unter hohem wirtschaftlichen Druck und müssen ihr Publikum mit einem stilistisch vielfältigen Repertoire überzeugen und binden.
Das verlangt von den künstlerisch Beschäftigten viel Flexibilität, eine hohe Belastbarkeit und ein breites Spektrum an tänzerischen Fertigkeiten. Doch welche Kompetenzen bringen junge, professionelle Tänzerinnen und Tänzer mit, wenn sie ihre beruflichen Karrierewege beginnen? Sind ihnen in der Ausbildung und am Start Maßnahmen zur Selbstfürsorge für eine lange und gesunde Karriere vermittelt worden?
Kein Bewusstsein für ein Belastungsprofil?
Die Berufsgruppe der Bühnentänzerinnen und -tänzer verdient eine besondere Zuwendung und Förderung. Ihre Karrieren sind kurz, ihre Körper das einzige Arbeitsmittel und somit ihr ganzes Kapital. Ihre Gesundheit sollte also besonders im ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Anja Hauschild
Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Leben lang Schinken hergestellt, einen sehr berühmten, sehr durchwachsenen, luftgetrockneten Schinken, der mittels einer ganz bestimmten Pökelprozedur zu delikater Reife gelangt. Sie wissen aber auch, dass diese besonders delikate Art nicht mehr produziert werden kann, weil es an frischem Fleisch mangelt. Da kommt auf einmal...
Newcomer: Agata Siniarska
Eine gute Schauspielerin kann auf Kommando weinen und echte Tränen vergießen. Man sagt diesem Beruf deshalb nach, er würde die Echtheit der Gefühle ruinieren. Auch das Klageweib ist ein Beruf, zumal in Afrika. Dort weiß jeder, dass Weinen und Schluchzen, mit viel körperlicher Übung erzeugt, ansteckend wirkt. Es bedarf dazu nur einiger...
Ich weiß, dass ich im Theater bin
und ich weiß, dass ich um mein Leben nicht zu fürchten brauche.
Ich brauche weder zu fürchten die Bevormundung meines Geistes
noch die schmerzhafte Zerlegung meines Körpers in seine Teile.
Ich habe keine Angst vor der langen Weile, die vor mir liegt, noch
muss ich die Kurzweil fürchten.
Was ich im Kunstwerk erkenne, soll nicht...
