antwerpen: nicole beutler «shirokuro»
Von «Ebony & Ivory» sangen einst Stevie Wonder und Paul McCartney, als sie das Miteinander heller und dunkler Klaviertasten zur gesellschaftlichen Blaupause erhoben. Auf Japanisch vereinen sich beide Extreme in dem Wort «Shirokuro»: schwarz-weiß. Nicole Beutler, Choreografin in Amsterdam, kam auf den japanischen Titel nicht nur, weil sie mit der Pianistin Tomoko Mukaiyama zusammenarbeitet. Vielmehr hat das lautmalerische «Shirokuro» doppelzüngigen Charme. Denn einerseits lässt sich das Wort im Stakkato aussprechen, es klingt dann geradezu atemlos.
Jeder Wechsel von Konsonant zu Vokal zerschneidet die Tonfolge, genau wie die Gesten des Tänzers Mitchell-Lee van Rooij mitunter in archaischer Gewalt an ein Samurai-Schwert erinnern. Zugleich kann «Shirokuro» einem auch beinahe wie Singsang über die Lippen gleiten, was wiederum jenen Szenen des Stücks entspricht, die fast sakrale Stimmung herstellen.
Protestantische Schlichtheit ist das visuelle Fundament des Duos, obwohl die Pianistin keine diskrete Begleiterin abgibt. Furios wie eine Kriegsgöttin spielt sie die Sonaten Nr. 5 und 6 der Russin Galina Ustwolskaja und streut hier und da ein Schumann-Echo hinein. Dabei verhält sich die ...
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Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
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