Antoine Jully «Men and Women» in Oldenburg

Tanz - Logo

Am 31. Mai 2017 in Oldenburg

Antoine Jully, im dritten Jahr Ballettchef am Staatstheater Oldenburg, hat mit guter Arbeit, guter Auslastung und guten Ideen gepunktet. Dafür steht ihm jetzt erstmals für einen Abendfüller das Staatsorchester zur Verfügung. Musikalisch beginnt «Men and Women» so feinnervig wie Schuberts «Unvollendete». Dann aber verdichtet sich Allan Pettersons 6. Sinfonie zu einem Drama des Schmerzes: Brüllende Verzweiflung, schwarze Depression, Seelenverfinsterung in allen Schattierungen und eruptive Entladungen beherrschen das Klanggeschehen. Mithin auch die Bühne.

Zwischen Mann und Frau tobt ewiger Kampf. Frieden gibt es nur, wenn die Kräfte erlahmen, wenn die Kicks und Ticks der Hände, Schenkel, Füße alle Energie verbraucht haben. Dann erst lehnt die Frau ihren Kopf an die Schulter des Gefährten und zieht mit ihm in die Dunkelheit davon. Großartig, wie die zwölf Tänzer und Tänzerinnen das Kriegsgebiet abstecken. Wie sie sich an das aussichtslose Unterfangen einer wechselseitigen Offenbarung verausgaben. Nähe, inniglich ersehnt und beschworen, erweist sich als Episode, vergeht mit dem nächsten Wimpernschlag.

Sie nimmt Anlauf, will ihn anspringen, umreißen, niederzwingen, mit gereckter Faust. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2017
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Tanz im Mai

Paris

Rencontres chorégraphiques

Reduktion, Verdichtung, absolute Konzentration: «40.000 centimetri quadrati», also vier Quadratmeter betanzt Claudia Catarzi. Das entspricht in etwa der Fläche eines King Size Bed. Oder einer Zelle in einem der Foltergefängnisse dieser Welt. Was passiert unter welchen Bedingungen mit dem Körper, der Bewegung, der eigenen...

Trisha Brown

Die Nachricht vom Tod der großen alten Dame des postmodernen Tanzes am 18. März 2017 in San Antonio/Texas, nur wenige Monate nach ihrem 80. Geburtstag im November letzten Jahres, kam nicht ganz überraschend. Neben der Trauer über einen Abschied, der sich lange angekündigt hat, löste sie eine Bilderflut im Kopf aus. Eine Bilderflut, die einerseits die Traurigkeit...

Eine Frage des Stils

Katja Schneider, Sie sind Tanzwissenschaftlerin und Dozentin am Theaterwissenschaftlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München – und Dramaturgin des Festivals «Dance». Für die 15. Ausgabe haben Sie nun ein internationales und fachübergreifendes Symposium konzipiert und greifen im Titel einen Gedanken der französischen Kollegin Laurence Louppe auf:...