Annett Göhre, Oded Ronen «Identity»
«Tanzen ist alles», sagt Annett Göhre, «alles ist Tanz». Und dann tanzt sie alles, kurze Passagen aus Stücken von Birgit Scherzer, Philip Taylor oder von Ihsan Rustem, Stücke, in denen sie selbst während ihrer aktiven Zeit als Tänzerin besetzt war, und die sie sich mit ihrem Solo «Schwanengesang» in Erinnerung ruft, Jahre später, als Tanzdirektorin am Theater Ulm.
Aber der Körper ist nicht mehr so beweglich wie einst, die Füße knallen grob auf den Boden der Nebenspielstätte Podium, der Atem wird zum Schnaufen, die Battements tendu sind nicht mehr leicht, sie sind schmerzhaft, anstrengend, sie sind harte Arbeit. «Schwanengesang» ist Identitätsfindung, da passt der Titel des Abends schon: Es geht um die Identität einer Frau, die sich vollständig mit dem Leben als Tänzerin identifiziert und die sich plötzlich beunruhigt fragen muss, ob sie denn überhaupt eine Tänzerin ist, wenn sie nicht tanzt? Wenn sie nicht tanzen kann, weil der Körper sich schlicht weigert? Das ist beeindruckend selbstentäußernd, es ist böse, humorvoll, manchmal ist es auch läppisch, wenn sich Göhre in die Karikatur einer Probenhierarchie versteigt. Und am Ende ist es auch ein Liebesbekenntnis: wie jemand trotz ...
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Tanz März 2024
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Falk Schreiber
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