Angeklagt: Wegen Solidarität
«Solidaritot | Solidarność» heißt das Stück des Polnischen Tanztheaters, beheimatet in Posen, 270 Kilometer von Berlin entfernt. Die dreizehnköpfige Truppe verarbeitet darin ihre sehr persönlichen Erfahrungen in einem katholischen Land, in dem Geistliche ihren Schützlingen gelegentlich zu nahe treten und Kneipen sich zu «gay-free zones» erklären.
«Polen ist ein geteiltes Land, Liberale hier, Konservative da», sagt Iwona Pasińska, die Leiterin des Polski Teatr Tańca.
Das lässt sich nun auch an dem ermessen, was die Choreografie der ehemaligen Kresnik-Tänzerin Yoshiko Waki und ihres Partners Rolf Baumgart ausgelöst hat. Eine mitarbeitende Person aus dem Haus hatte nach der Premiere das Stück «anti-polnisch» genannt: ein Straftatbestand, den die polnische Justiz nicht abweisen darf. «Es ist kein politisches Verfahren», betont Pasińska, die ihre Wut über den «Verrat in den eigenen Reihen» noch nicht verdaut hat. Die Kulturbehörde der Stadt stehe hinter ihr, versichert sie. In Warschau, wo die Premiere stattfand, sei die Solidarność als gewerkschaftliche Opposition und ehemals politische Macht nicht jedermanns Sache. Auch die beleidigte Kirche werde ein Wörtchen mitreden. Das Urteil ...
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Tanz Januar 2020
Rubrik: Side-Step, Seite 16
von Arnd Wesemann
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