Andrei Andrianov, Oleg Soulimenko: «Made in Russia»
Ein hartnäckiges Vorurteil des Westens gegenüber Russland ist die Rückständigkeit des Riesenreichs hinsichtlich aller Spielarten des Zeitgenössischen, trotz Choreografen wie Sasha Pepelyaev oder Olga Pona. Russisches sei zu mythisch oder zu dadaistisch oder beides. Um den Westen, der solches denkt, zu erobern, gelangten 1994 zwei gelernte Ingenieure mit einem illegalen Visum nach Wien: der eine als Pantomime, Andrei Andrianov, der andere, Oleg Soulimenko, hatte ein Jahr zuvor das Saira Blanche Theater gegründet.
Was beide heute auf der Bühne treiben, hat – auch – mit solchen Vorurteilen zu tun. Wenn Oleg Soulimenko, gespielt von Andrei Andrianov, den Filmemacher Jean-Luc Godard als geistigen, später gar als leiblichen Vater bezeichnet (Godard war 1958 zu Gast bei einem Moskauer Filmfestival, aus der Liebesnacht sei der Tänzer entsprungen), dann sagt er in Godards Worten: «Es ist schwer zu beurteilen, es ist schwer zu verstehen, aber selbst wenn du es nicht verstehst, zieht es dich an»: das Vorurteil, das Russische, das Nichtverstehen und das Zeitgenössische zugleich.
Um sich bekannt zu machen, haben sie nebst Godard die große russische Ballerina Maya Plisetskaya eingeladen, mit der ...
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