Am Ende der Marktfreiheit
Im letzten Jahr erhielten eine Menge Künstler Post. Absender waren der Fonds Darstellende Künste und das Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI). Sie wollten wissen, wen sie vertreten und für was. 4074 Fragebögen wurden beantwortet zum Zweck der «Datenerhebung zu Arbeits- und Lebensbedingungen der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland». So was hört nicht jeder gern. Der Deutsche Bühnenverein lehnte den Zensus ab, weil er selbst einen betreibt. 4074 Bögen, das entspricht beachtlich genau zehn Prozent aller Tanz- und Theaterschaffenden.
Mitgetragen wurde er von 700 ungehorsamen Mitgliedern des Bühnenvereins. Es ist damit die größte Erhebung seit 1973. Der damalige Zensus, so Günter Jeschonnek vom Fonds, führte immerhin zur Gründung der Künstlersozialkasse, einer günstigen Kranken- und Rentenversicherung, in die auch Tänzer, Choreografen, Repetitoren, Ballettmeister und Tanzpädagogen einzahlen, sofern sie (auch) selbstständig sind: ein Umstand, den der Bühnenverein für seine Mitglieder der Stadttheater irrtümlich ausschließt.
Denn das Gros der Tänzer und Choreografen ist prinzipiell selbstständig, auch wenn sie eine Zeit ihres Lebens in angestellten Verhältnissen ...
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