alles wieder normal

Man darf es der Presse nicht verübeln. Wenn an den Bühnen nichts mehr passiert, taugen ihre alten Strukturen besonders gut zum Skandal. Ausgerechnet dem Chef eines freigeistigen Theaters, der Berliner Volksbühne, wurde libertines Verhalten vorgeworfen – er trat ab. Der offen antirassistischen Bühne, dem Gorki in Berlin, ging der autokratische Führungsstil der Chefin zu weit – es wird mediiert. Bei Machtmissbrauchs-Vorwürfen – wie bei der Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik, auch in Berlin – schwebt das Verfahren.

Die Juristerei ist mit einer Rechtslage konfrontiert, die zwar Missbrauch und Diskriminierung verurteilen – aber nur selten beweisen kann: ein perfekter Nährboden für Spekulationen, auf denen die gerechten Träume von Mitbestimmung, Inklusion und Gleichberechtigung gut gedeihen.

Jüngster Fall: Nicht nur am Düsseldorfer Schauspielhaus und beim Berliner Staatsballett wurde Rassismus beklagt, auch beim Dachverband Tanz Deutschland. Ein Mitglied im Vorstand dieser Lobbyorganisation, unser Ex-Kollege und heutige Manager des Balletts am Saarländischen Staatstheater, Klaus Kieser, gab sich anlässlich der Essener «Tanzpreis»-Ehrung an Raphael Hillebrand öffentlich ...

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Tanz Juli 2021
Rubrik: warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann

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