Alain Lucien Øyen «Cri de Coeur»
Man schrieb das Jahr 2020, als die damalige Ballettchefin der Pariser Oper, Aurélie Dupont, Norwegens Tanztheaterstar Alan Lucien Øyen vorschlug, ein Stück für ihr Haus zu schaffen. Sie wusste genau: Die Truppe aus dem Garnier-Palast und auch das Publikum würden damit eine absolute Neuheit erleben. Doch es folgten Pandemie und Lockdowns, bis zur Wiederaufnahme der Proben an der Opéra selbige keine Ballettdirektorin mehr hatte. Im Programmbuch eine Leerstelle: NN.
Ähnliches in Øyens «Cri de cœur»: Da tritt ein Unbekannter plötzlich in Wohnung und Leben der Hauptfigur Marion (Marion Barbeau). Lakonisch teilt er mit, er sei niemand und heiße auch so. Vielleicht sei er ihr Gegenpol, verkörpernd, was Marion bisher nie zu leben gewagt habe.
Øyen spielt wie oft mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Das Stück fußt auf Gruppensitzungen und langen Unterhaltungen mit den jungen Tänzer*innen, die über ihre Gefühle und Befindlichkeiten berichteten, im Vorfeld wie auf der Bühne. Das klingt nach Methodik à la Pina Bausch, und Øyen war es in der Tat, der 2018 in Wuppertal mit «Bon voyage, Bob» einen etwa dreistündigen Zweiakter in vergilbtem Bühnenbild erarbeitete. Da spielten auch ...
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Tanz 11 2022
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Thomas Hahn
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