Alain Lucien Øyen «Cri de Coeur»
Man schrieb das Jahr 2020, als die damalige Ballettchefin der Pariser Oper, Aurélie Dupont, Norwegens Tanztheaterstar Alan Lucien Øyen vorschlug, ein Stück für ihr Haus zu schaffen. Sie wusste genau: Die Truppe aus dem Garnier-Palast und auch das Publikum würden damit eine absolute Neuheit erleben. Doch es folgten Pandemie und Lockdowns, bis zur Wiederaufnahme der Proben an der Opéra selbige keine Ballettdirektorin mehr hatte. Im Programmbuch eine Leerstelle: NN.
Ähnliches in Øyens «Cri de cœur»: Da tritt ein Unbekannter plötzlich in Wohnung und Leben der Hauptfigur Marion (Marion Barbeau). Lakonisch teilt er mit, er sei niemand und heiße auch so. Vielleicht sei er ihr Gegenpol, verkörpernd, was Marion bisher nie zu leben gewagt habe.
Øyen spielt wie oft mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Das Stück fußt auf Gruppensitzungen und langen Unterhaltungen mit den jungen Tänzer*innen, die über ihre Gefühle und Befindlichkeiten berichteten, im Vorfeld wie auf der Bühne. Das klingt nach Methodik à la Pina Bausch, und Øyen war es in der Tat, der 2018 in Wuppertal mit «Bon voyage, Bob» einen etwa dreistündigen Zweiakter in vergilbtem Bühnenbild erarbeitete. Da spielten auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz 11 2022
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Thomas Hahn
Explizit und kompromisslos, brutal, unbeschönigt und selbstbewusst: Florentina Holzingers «Ophelia’s Got Talent» stellt sich zur Spielzeiteröffnung an der Volksbühne Berlin sowohl als Publikumsmagnet wie auch als kleine Theatersensation heraus. Wie oft bei Holzinger steht der Frauenkörper im Vordergrund und wird hier mythologisch und ikonografisch mit dem Element...
Aus ihren Augen funkelt der Zorn, sie blecken die Zähne und tanzen, als wären sie vom Teufel besessen – wobei der ein Kalligraf sein muss. In Münster sind die «Furien» los: Ein knappes Dutzend Tänzer*innen rennt, springt und stampft mit einer ungeheuren Intensität und in wil den, virtuosen Variationen gegen eine kosmische Kraft an. Diese, niemand Geringeres als...
Roman
ABSCHIED VOM TRAUM
Vom «Traum, eine Ballerina zu sein» bis zu den Spitzenschuhen als «Folterkammern aus rosarotem Satin» in gerade einmal 30 fiebrig-intensiven, wie wirbelnden Seiten. Der dritte Teil von Sigrid Nunez’ Roman «Eine Feder auf dem Atem Gottes» handelt vom Ballettunterricht der jugendlichen Erzählerin – aber eigentlich: von der Entdeckung und...
