Aids

Vom Fürchten, Schweigen, Sterben und vergessen. Erinnerungen an Rudolf Nurejew, Robert Joffrey und eine Krankheit, die auch das Gesicht des Tanzes veränderte

Der Tanz ist eine jugendliche Kunst. Er ist jung – und wird es bleiben, weil sich das Tänzerleben, zumal das klassisch-akademische, in der Regel auf zwei Jahrzehnte reduziert. Woraus sich, mehr als vierzig Jahre nach dem Ausbruch der später AIDS genannten Seuche, leicht errechnet, dass eine ganze tänzerische Generation das Phänomen nicht aus eigener Erfahrung kennen kann, sondern vom Hörensagen. AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) war ein Hammerschlag, nicht nur für die Tanzwelt.

Für den Tanz und die Tänzer*innen waren die Auswirkungen jedoch so verheerend, dass manche der Folgen weiterwirken bis ins Heute. Der Verlust an Menschen, zumal an schöpferischen Persönlichkeiten und deren kreativem Potenzial, war so gewaltig, dass die Behauptung nicht übertrieben ist, der Tanz sei als künstlerische Ausdrucksform nach den Höhenflügen der 1960er- und -70er-Jahre in den folgenden Jahrzehnten in ein Wellental geraten. Kein Zweifel, choreografisches Genie war in der Geschichte des Bühnentanzes zu jeder Zeit ein Rarissimum, Choreografie niemals lehrbar und erlernbar. Die Löcher jedoch, die AIDS gerissen hat, werden sich wohl erst in einer oder zwei weiteren Tänzergenerationen wieder ganz ...

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Tanz 1 2023
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Gerhard Brunner

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