Ahnung von Schatten
Film und Bildende Kunst spielen im Tanztheaterwerk von Urs Dietrich eine zunehmend größere Rolle. Sie sind für die Arbeit des Choreografen so essenziell geworden, wie die ihn seit je umtreibende Frage nach dem Wesen von Leben und Tod. Obwohl das neue Stück «Dividendo» von Teilen und Trennen handelt, vom Scheiden aus dem Leben und Übergang in eine Schattenwelt, vom Separieren des Körpers in die Dimensionen des Leibs und der Seele, ist es dem Choreografen des Bremer Tanztheaters wie selten gelungen, die Verbindung von Bewegung, Film, Licht und Musik zu einem vollkommenen Ganzen zu fügen.
Das multimediale Konzept von «Dividendo» geht mit einer leichthändigen Selbstverständlichkeit auf, die verblüfft und in Bann schlägt – durch eine surreale, zwischen Ruhe und Ruhelosigkeit oszillierende Bühnen-Installation von hoher Ästhetik, tänzerischer Klarheit und rätselhafter Magie. Zwischen Irritation und Faszination schwankte jeder bei der Uraufführung des Tanztheaters nordwest im Bremer Schauspielhaus.
Die optische Suggestivkraft entwickelt Dietrich mit einfachen, präzis kalkulierten und überdies raffiniert eingesetzten Mitteln: Im Quadrat des schwarzen Lackbodens spiegeln sich neun weiße ...
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