Adieu Ushio Amagatsu
Ist Butoh bald Geschichte? Nach Tatsumi Hijikata, Kazuo Ohno, Ko Murobushi und Carlotta Ikeda ist nun auch Ushio Amagatsu gegangen, der Gründer von Sankai Juku, der Butoh in Europa überhaupt erst populär machte. Seine ausschließlich von Männern interpretierten Stücke waren hier erstmals 1980 auf dem «Festival de Nancy» zu sehen. Die gepuderten, an Seilen kopfabwärts hängenden Körper riefen im Publikum eine Art Schockstarre hervor.
Später aber verwandelte sich Sankai Juku in eine ästhetisch zeitlose Truppe, die ihre Auftritte von den spektralen Gruppenbildern über Amagatsus illuminierte Soli bis in die abschließenden Verbeugungen zu ritualisieren verstand. Dass Hijikata ihm vorwarf, den Butoh zu kommerzialisieren, brauchte Amagatsu nie anzufechten. Er verstand es als Einziger, diese genuine Verbindung von Spiritualität und Ausdruckstanz für große Häuser und ein breites weltweites Publikum zu öffnen. Stücke wie «Kinkan Shonen» (1978), «Hibiki» (1998) oder «Tobari» (2007) wurden Welterfolge, stehen aber hauptsächlich für ein Gesamtwerk. In den Bühnenlandschaften, von Naturelementen durchdrungen und oft monumental, zeigte sich ein Geist, der Pina Bauschs Bühnenbildner Peter Pabst in ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: Side step, Seite 15
von Thomas Hahn
Das Leben ist nur ein Atemzug – diese Weisheit teilt gleich zu Beginn eine Tänzerin mit uns und gibt dem Abend damit ein treffendes Motto. Die sechs jungen Mitglieder der Gauthier Dance Juniors wollen keine Sekunde ihrer Lebenszeit verschwenden und präsentieren mit «Renaissance» endlich ihr Debüt im Stuttgarter Theaterhaus.
Ein Debüt wie ein Paukenschlag, denn Eric...
Dieser Premierenabend fühlt sich anders an. Der Blick auf das, was auf der Bühne des Magdeburger Theaters vor sich geht, sucht nach Anhaltspunkten, Spiegelungen, Widerhaken. Nach Indizien, die Verbrechen und Leidenschaft, Machthunger und Tötungsdrang, Vernichtung aller Gegner und Ausbau der Herrschaft mit unserer Wirklichkeit kurzschließen.
Denn von der...
CD des Monats
MIKHAIL PLETNEV
Dass sich hinter der scheinbar unpolitischen CD-Edition ein aktuell politisches Schicksal verbirgt, lässt allenfalls das beteiligte Orchester ahnen. Das gibt es erst seit zwei Jahren, und seine Gründung erfolgte nicht unbedingt aus freien Stücken: Mikhail Pletnev leitete zuvor das Russische Nationalorchester, das er als erstes...
