Autonomie
Ein Blick zurück kann einem manchmal die Augen öffnen. Denn wie schnell geht etwas in der Erinnerung verloren. Wie leicht wird etwas hinzugedichtet. Längst lehrt uns die Wissenschaft, der Erinnerung zu misstrauen. Verlässlicher ist, was man vor 30 Jahren nur gedruckt nach Hause tragen konnte. Ein Magazin beispielsweise, das sich 1994 noch etwas umständlich «ballett international/tanz aktuell» nannte und sich damit auch im Titel als Zusammenschluss unterschiedlicher Zeitschriften und Zielsetzungen zu erkennen gab.
Während Rolf Garske, Birgit Kirchner und Norbert Servos in «ballett international» das Phänomen Tanz aus rheinischer Sicht in seiner globalen Differenzierung und sprachlichen Vielfalt zu erfassen suchten, fokussierte das Team um Johannes Odenthal von West-Berlin aus eher aktuelle Tendenzen und philosophische Aspekte, ohne die historischen Hintergründe seines Seins gänzlich außer Acht zu lassen.
Inzwischen ist zusammengewachsen, was zusammengehört – ablesbar nicht zuletzt auch am Zeitschriftentitel, der sich mit der Zeit erst zu dem Unwort «ballettanz» verschlankte, um sich ab 2010 als tanz endlich auf das große Ganze zu verständigen. Einfach war dieser Entwicklungsprozess ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2024
Rubrik: 30 Jahre tanz, Seite 54
von Hartmut Regitz
Man müsste dieses Stück filmen statt darüber zu schreiben. Das denke ich an diesem Abend mehrmals, wenn ich zwischen die wirbelnden Beine der neu zusammengesetzten Tanzkompanie St. Gallen blicke. Für die Tanzkritikerin ist die Perspektive ungewohnt, wurde sie doch in die allervorderste Reihe gesetzt, mit der Nase gewissermaßen auf der Bühne. Das hat durchaus seinen...
Sein Urvertrauen in das, was man gemeinhin Schicksal nennt, ist inspirierend. Edward Nunes genießt nach Stationen in Salzburg und Linz sein gegenwärtiges Dasein als Mitglied des Staatstheater Nürnberg Ballett, wo das Publikum ihn seit 2019 feiert. Er blickt optimistisch in die Zukunft, und hat dazu auch allen Grund. Nunes sticht heraus: Er ist ein...
Gisèle Vienne, hat Ihnen die Aufführung von «Extra Life» gestern im Tanzquartier Wien gefallen?
Ja.
Weswegen?
Jede Aufführung ist anders. Im Tanzquartier ist die Bühne kleiner als sonst bei uns üblich für dieses Stück. Auf einer großen Bühne kann man gut mit Panorama und mit Landschaft arbeiten, und hier hat man eine größere Nähe zu den Performer*innen. Auch weil...
