Autonomie
Ein Blick zurück kann einem manchmal die Augen öffnen. Denn wie schnell geht etwas in der Erinnerung verloren. Wie leicht wird etwas hinzugedichtet. Längst lehrt uns die Wissenschaft, der Erinnerung zu misstrauen. Verlässlicher ist, was man vor 30 Jahren nur gedruckt nach Hause tragen konnte. Ein Magazin beispielsweise, das sich 1994 noch etwas umständlich «ballett international/tanz aktuell» nannte und sich damit auch im Titel als Zusammenschluss unterschiedlicher Zeitschriften und Zielsetzungen zu erkennen gab.
Während Rolf Garske, Birgit Kirchner und Norbert Servos in «ballett international» das Phänomen Tanz aus rheinischer Sicht in seiner globalen Differenzierung und sprachlichen Vielfalt zu erfassen suchten, fokussierte das Team um Johannes Odenthal von West-Berlin aus eher aktuelle Tendenzen und philosophische Aspekte, ohne die historischen Hintergründe seines Seins gänzlich außer Acht zu lassen.
Inzwischen ist zusammengewachsen, was zusammengehört – ablesbar nicht zuletzt auch am Zeitschriftentitel, der sich mit der Zeit erst zu dem Unwort «ballettanz» verschlankte, um sich ab 2010 als tanz endlich auf das große Ganze zu verständigen. Einfach war dieser Entwicklungsprozess ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: 30 Jahre tanz, Seite 54
von Hartmut Regitz
CD des Monats
MIKHAIL PLETNEV
Dass sich hinter der scheinbar unpolitischen CD-Edition ein aktuell politisches Schicksal verbirgt, lässt allenfalls das beteiligte Orchester ahnen. Das gibt es erst seit zwei Jahren, und seine Gründung erfolgte nicht unbedingt aus freien Stücken: Mikhail Pletnev leitete zuvor das Russische Nationalorchester, das er als erstes...
Es ist normalerweise keine gute Idee, Menschen mit Behinderungen nach dem Ursprung der Behinderung zu fragen. Viele mögen nicht darüber reden, sie wollen, wie wir alle, einfach genommen werden, wie sie sind. Jetzt, ohne ein Davor und Danach. Sidi Larbi Cherkaoui aber, schon immer neugierig, wenn es um die Lebenslinien und Bewegungsmuster anderer Menschen ging, hat...
Ist Butoh bald Geschichte? Nach Tatsumi Hijikata, Kazuo Ohno, Ko Murobushi und Carlotta Ikeda ist nun auch Ushio Amagatsu gegangen, der Gründer von Sankai Juku, der Butoh in Europa überhaupt erst populär machte. Seine ausschließlich von Männern interpretierten Stücke waren hier erstmals 1980 auf dem «Festival de Nancy» zu sehen. Die gepuderten, an Seilen...
