Adieu Chefsessel

Treffen sich zwei Schweizer in Wien … Martin Schläpfer und Heinz Spoerli reden mit Lilo Weber über ihre Kunst und die Last der Leitungsfunktion

Tanz - Logo

«Ich bin immer einer für den Saal gewesen.» Das sagt Martin Schläpfer an diesem sonnigen Frühlingstag in der kleinen Küche des Ballettbüros an der Wiener Staatsoper. Und Heinz Spoerli nickt. Er nickt, weil er den Direktor des Wiener Staatsballetts genau kennt, seit er ihn vor 45 Jahren als jungen Tänzer in sein Basler Ballett holte. Und er nickt, weil er die Arbeit Martin Schläpfers kennt – aus eigener Anschauung. Spoerli selbst hat schließlich fast vier Jahrzehnte choreografiert und zugleich Ballettkompanien geleitet.

Und doch war er überrascht, als Schläpfer Mitte April bekanntgab, dass er auf eine Vertragsverlängerung über die Spielzeit 2024/25 hinaus verzichten würde. «Ich wusste, dass Wien ein hartes Pflaster ist, aber dass es so schnell gehen würde, hat mich schockiert.» Wie uns alle.

Martin Schläpfer begründete seinen Entschluss wegzugehen mit der Doppelbelastung, als Künstler und Führungskraft. Die Strukturen in Wien sind viel komplexer als in Düsseldorf/Duisburg und Mainz, wo er zuvor hervorragende Kompanien aufgebaut hatte. Zum Wiener Staatsballett gehören das Ballett der Staatsoper und das Ballett der Volksoper, dazu die Ballettakademie, die er noch vor Amtsantritt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2023
Rubrik: Leadership, Seite 58
von Lilo Weber

Weitere Beiträge
Backlights 7/23

Köln 
KNOT ON HANDS «PASSING BY» 
Übersehen kann man Knot on Hands nicht, nicht einmal inmitten großer Menschenmengen. Hoch auf drei Etagen wuchten sich die drei Akrobat*innen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die ersten beiden Stockwerke bilden Tijs Bastiaens und Mario Kunzi, an dieser Zwei-Mann-Pyramide klettert Britt Timmermans hoch. Als menschliche...

Rykena/Jüngst «Sense of Wonder»

In Andrei Tarkowskis Filmklassiker «Stalker» (1979) wird eine sogenannte «Zone» beschrieben: Eine abgeriegelte Gegend, in der die Naturgesetze sich verändert haben, möglicherweise nach einer Katastrophe oder nach dem Besuch von Außerirdischen. Klar ist: Die Zone ist gefährlich. Und die Artefakte in der Zone sind von hohem Wert. Im Zentrum befindet sich ein Raum, in...

Bildertheater

Es gab eine Zeit, in der Künstler mit politischen Kommentaren und ästhetischen Statements, Wut oder Hohn auflagenstarke Illustrierte – Titel wie «Harper’s Weekly. Journal of Civilization», «The National. A Library for the People», «Journal pour Rire. Journal d’image comique, critique, satirique et moqueur» oder den «Simplicissimus» – dominierten. Wie die goldene...