Adieu: Alice & Ellen Kessler
Als Alice und Ellen das erste Mal auf einer Premierenfeier des Balletts des Gärtnerplatztheaters vor mir standen, kamen sie mir beide noch viel größer vor, als ich sie aus dem Fernsehen kannte. Ihre freundlichen und sehr sachkundigen Worte, gepaart mit großem Enthusiasmus und mit stets ehrlichem und aufgeschlossenem Interesse einer Kunstform gegenüber, die sie selbst mitgeprägt und geformt hatten, waren eine Ermutigung.
Die Zwillinge, 1936 in Nerchau geboren, waren für mich mehr als nur ein Show-Phänomen meiner frühen Kindheit – sie waren ein Symbol für Eleganz, Disziplin und die goldene Ära des großen europäischen Entertainments. Ihr Leben und ihr Interesse waren bis zuletzt geprägt von Tanz, Gesang und einer unglaublichen und außergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Immer wenn ich mit ihnen sprach, hatte ich das Gefühl, wir wären live auf Sendung. Sie waren ausgesprochen humorvoll und herzlich und voll Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte der Tänzer*innen und Choreograf*innen, die gerade von der Bühne kamen. Man hatte nie das Gefühl, dass sie je aufgehört hätten zu denen zu gehören, die alles geben, wenn das Licht im Saal ausgeht. Trotz Ruhm und internationaler Erfolge, die sie in ...
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Tanz Januar 2026
Rubrik: Sidestep, Seite 21
von Karl Alfred Schreiner
Kaum ein Musikstück hat so viele verschiedene choreografische Gewänder angelegt wie Igor Strawinskys «Le Sacre du printemps». Allein 2025 haben Marco Goecke (tanz 10/25), Ralf Dörnen und Annett Göhre (tanz 6/25) Neuinterpretationen geliefert und sich damit in die illustre Runde der «Sacre»-Choreograf*innen eingereiht: Pina Bausch, Sasha Waltz, Maurice Béjart,...
Nebelschwaden ziehen flach über den kreisrunden, schwarz-spiegelnden Boden, schon bald werden sie verwirbelt von einem primatenähnlichen Wesen – ein Performer in grauem Oversize-Hoodie, die Arme verlängert, sodass er sich auf allen vieren fortbewegt. Ein zweites Wesen gesellt sich dazu, dann die ersten beiden Läufer*innen, bis schließlich alle vier Performer*innen...
Notiert
Als Tänzerin verabschiedet, als Mitglied ins Board of Trustees aufgenommen: In dieser Funktion bleibt Misty Copeland, erste Schwarze Principal des American Ballet Theatre, ihrer Compagnie erhalten; zudem wird sie ein Festival am Joyce Theatre in New York kuratieren.
Der Heinz-Bosl-Preis 2025 ging an den Tänzer und Choreografen Simon Adamson-De Luca,...
