Adam Russell-Jones «Release the Hounds»
Ein Mann in weißer Jeans und weißoranger Trainingsjacke legt mühevoll die Strecke entlang der weißen Backsteinwand am hinteren Bühnenrand des Schauspielhauses Wien zurück. Seine Bewegungen schwanken zwischen sorgfältiger Körperbeherrschung, über die er dank jahrelangen Trainings sichtlich verfügt, und Loslassen – der Hingabe an die Gesetze von Trägheit und Schwerkraft. Eine Hand baumelt herab, der Rücken sucht die Stabilität der Wand, der Kopf braucht Halt und Stütze.
Die Bewegungen «glitchen» zu flüchtigen Loops, während die Klangcollage aus Werbespots, Filmaufnahmen und Clubmusik zu einem frei flottierenden Amalgam instabiler Bedeutungshorizonte verschmilzt und Nostalgie, Begehren und bittersüße Wonnegefühle weckt. Was bleibt, ist das Verlangen nach jenen flüchtigen Affektzuständen, die so schnell wieder im chaotischen Auffangbecken unbewusster Manifestationen und gesellschaftlicher Krisen verschwinden, durch die Adam Russell-Jones sich beim Festival «ImPuls-Tanz» seinen beschwerlichen Weg bahnt: Intimität und Kultur miteinander verschmelzend und die Erschöpfung bereitwillig in Kauf nehmend.
«Release the Hounds» ist ein Stück, das wahrhaftig vom krisenhaften Zeitgeist – von ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Plamen Harmandjiev
Neunzig Minuten kurz sind die tanztheatralen Reflexionen über den Menschen, den Dichter Shakespeare am Linzer Musiktheater. Wer gedacht hatte, dass sich hinter dem Titel «Shakespeare’s Dream» eine Folge von bunt inszenierten Zitaten aus einigen der 38 Werke des englischen Welt-Beschauers und Psychologen offenbart, hatte sich geirrt.
Weder Mendelssohn-Bartholdy noch...
Newcomer
Amit Noy
Amit Noy weiß seine Wurzeln zu entflechten, und das allein ist beeindruckend. Noy kam in Hawaii zur Welt, als Sohn einer Mexikanerin und eines Israelis. Da ging es los: mit Hula. Als er zehn Jahre jung war, zog die Familie nach Neuseeland, wo Noy plötzlich jeden Montag zum israelischen Volkstanz ging. «Aber wir waren die einzigen Juden», lacht...
Einzelne Beats, irgendwo zwischen Echolot und Herzschlag. Die acht Tänzer*innen schreiten, schlendern, stapfen über den schimmernden Boden, die Fußspitze immer voran, bevor der ganze Fuß folgt. Am Ende jeder der fließenden, rollenden Bewegungen steht ein Ruck, ein Störmoment, der diesen Figuren etwas Roboterhaftes verleiht. So entwickelt sich dieser Marsch immer...
