«Ach, Krieg, was hast du getan, du niederträchtiger?»
Ich gehöre der Ballettwelt an. So war der 24. Februar immer schon ein wichtiges Datum für mich – es ist der Geburtstag von John Neumeier. Mit dessen Arbeit beschäftige ich mich seit Langem, und gerade ist mein neues Buch erschienen: «John Neumeier. Die Geburt eines Choreografen». Ich habe es gleich nach Hamburg geschickt. Es war im letzten Moment, wie sich herausstellte, um seinen Empfänger noch erreichen zu können. Dieser 24. Februar aber ist ein schwarzer Tag. Desaströs wurde ein Rubikon der Weltgeschichte überschritten.
Mit Beginn der Invasion versuchte ich täglich, Alexander Chepalov zu erreichen, meinen Kollegen, Ph.D. der Kunstwissenschaften und Professor an der Nationaluniversität Kharkov und in Kiew, ich hatte große Angst um ihn. Er ist einer der führenden ukrainischen Ballettforscher und Wissenschaftler und international bekannt als Autor von mehr als 2500 Ballettpublikationen, als Theaterkritiker, ein Mitglied des Internationalen Tanz-Rates CID der UNESCO und als Chefredakteur des ersten ukrainischen Ballettmagazins «Dance in Ukraine and the World». Schließlich schrieb er mir, er sei in seinem Auto auf dem Weg zur ukrainischen Westgrenze, 1000 Kilometer von Kiew ...
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Tanz April 2022
Rubrik: Ukraine-Krieg, Seite 8
von Natalia Zozulina
Entgegen allen Hoffnungen, die Kunstwelt – insbesondere das klassische Ballett – möge von den jüngsten weltpolitischen Ereignissen unberührt bleiben, hat sich die russische Ballettwelt in den ersten Märzwochen dieses Jahres im Zuge des Russland-Ukraine-Konflikts drastisch verändert. Die beiden größten und prestigeträchtigsten Ballettkompanien des Landes, das...
Der Einfluss von Putins Ukraine-Krieg auf das Tanzschaffen beginnt bei Christian Rizzo: an einem imaginären Strand. Denn «miramar» bedeutet: das Meer anschauen. Einen Ort des Friedens wollte der Leiter des Centre chorégraphique national von Montpellier schaffen. Zum Beispiel: einen Strand, wo Menschen sich öffnen, einander betrachten oder in sich gehen. Auf der...
Er kann zufrieden sein. Mit seinen neunzig Lebensjahren genauso wie mit dem Erfolg seines letzten Balletts. An der Pariser Opéra, also dort wo für ihn alles begonnen hat, brachte Pierre Lacotte im vergangenen Herbst eine Bearbeitung von Stendhals Literaturklassiker «Le Rouge et le Noir» auf die Bühne, die zeigt, wie historisierendes Handlungsballett heute noch...
