Absurd

Jason Reilly, Erster Solist und Kammertänzer des Stuttgarter Balletts

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Als «mixed-race»-Tänzer, der seit über 25 Jahren mit John Neumeier arbeitet, kann ich nur sagen, dass es absurd ist, ihn in welcher Form auch immer mit Rassismus in Verbindung zu bringen. Als ich 14 Jahre alt war, hat er mich – den einzigen dunkelhäutigen Schüler der National Ballet School in Toronto – in seinem Stück «Yondering» besetzt. Als Tänzer beim Stuttgarter Ballett habe ich nicht nur die Titelrolle in «Othello» getanzt, sondern auch Armand Duval in «Die Kameliendame» und Stanley Kowalski in «Endstation Sehnsucht».

«Othello» ist eines meiner Lieblingsballette! Der «Wilde Krieger» zeigt nicht nur, wie Desdemona Othello sieht, sondern ist auch der Teil von ihm, den er leugnen muss, um in die feine weiße Gesellschaft hineinzupassen. Ganz ehrlich gesagt, verstehe ich die Kolleg*innen in Dänemark nicht: Jago ist ein Sadist und Rassist – warum haben sie kein Problem damit, diese Rolle zu tanzen, aber sehr wohl damit, die von Neumeier akribisch recherchierten, auf afrikanischen Kriegstänzen basierenden Bewegungen zu tanzen? Das ist ein Widerspruch. «Othello» ist ein tiefsinniges, anti-rassistisches Ballett. Umso mehr sollten wir es heute noch tanzen.

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Tanz 1 2023
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 51
von Jason Reilly

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