Abschied und Wiederkehr

Renato Zanella: «Diaghilew-Abend» in Wien

Tanz - Logo

Was war das für ein Aufwind an der Wiener Staatsoper, als Renato Zanella fast über Nacht zum neuen Ballettdirektor bestellt wurde. Auf Ballettmeisterinnen unterschiedlicher ideologischer Prägung sollte endlich ein Choreograf folgen. Nach der sowjetisch orientierten Ära von Elena Tschernichova – die Wien-Einladung hatte Natalia Makarova gegolten –, und der Färbung von Anne Woolliams – sie hatte Walter Sorell empfohlen – hoffte man auf die Rückkehr der Gegenwart im Haus am Ring. 1995 war man noch gu­ter Hoffnung.

In kleinformatigen Tanzstücken ließ sich Talent für eine eigene Sprache erkennen: Neoklassik mit weichen, geschliffenen Bewegungsverläufen, introvertiert, zurückhaltend, die große Bühne nicht ausfüllen wollend. Freilich: Kylián, Forsythe, auch Hans van Manen u. a. schienen ab und zu Pate zu stehen. Trotzdem blieb die Hoffnung, die das komisch-wehmütige Potpourri aus Strauß-Musik «Alles Walzer» mit Mahlers «Adagietto» als Schluss doch noch erfüllte. Man konnte Hofmannsthal hineindenken oder Ohad Naharins Strauß-Stück «Perpetuum». Dann aber wandte sich Zanella aus Gründen der Verkaufsquote abendfüllenden Kreationen zu. Statt die choreografische Sprache weiterzuentwickeln, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 51
von Andrea Amort

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nein Sager

Wir befinden uns in der Aufwärmphase. Der Barmann packt die Gläser aus, der Koch rührt im großen Topf. Die Darsteller und ihr Team wuseln durch die Gegend. Die Zuschauer-Gäste stehen rum in der großen Kampnagel-Halle, in deren Mitte eine imposante Kartonmauer ansteigt. Zu beiden Seiten fallen Sitzreihen ab in zwei Spielflächen: kahl und hell die eine,...

Montpellier gegen Uzès

Montpellier Danse untermauert seine Vormachtstellung unter den Tanzfes­tivals der Provence. Da stolpert der aufstrebende kleine Bruder Uzès Danse, weil Festivaldirektor Jean-Paul Montanari in Montpellier zur Zeit einfach den besseren Draht zu den regionalen Machtzentren hat. Dort waltet seit den letzten Wahlen der ehemalige Bürgermeister von ... Montpellier! Und...

Zu viel versprochen

Wer wollte den Choreografen den Mund verbieten! Wenn sie was zu sagen haben, wird sie niemand daran hindern. Aber so viel Gerede wie beim neuesten Abend des Stuttgarter Balletts war noch nie. In «Eden | Eden» debattieren angeblich «zwanzig der führenden Wissenschaftler über die historischen, wissen­schaftlichen, ethischen und religiösen Aspekte des Umgangs mit dem...