Pitié
Alain Platels neues Stück, bei der RuhrTriennale in Bochum uraufgeführt, ist wie die Fortsetzung von «vsprs» mit anderen Mitteln. Sein Thema bleibt die Gretchenfrage nach der Religion, nach ihrer Ekstase und ihrer Gewalt. Schon das allererste Werk des berühmten belgischen Choreografen, 1984: «Stabat Mater», ließ dieses Thema anklingen. Auch alle folgenden, von «Bonjour, Madame» bis hin zu «Wolf», handelten immer von der Sehnsucht nach dem Glauben, obwohl es so viel offensichtlicher um soziale Ausgrenzung, um Protest, Überleben und den Tauschhandel von Zärtlichkeit und Gewalt ging.
In «vsprs» flirtete Alain Platel 2006 erstmals sehr direkt, auch sehr offensiv, mit Begriffen wie Bekenntnis, Erleuchtung und dem Zweifel daran. Die Grundlage bildete ein irritierend moderner Remix von Claudio Monteverdis «Marienvesper», die der Komponist Fabrizio Cassol mit Manouche- und Jazzklängen konfrontierte, um sie vom Himmel auf die Erde zu bannen. Die Musik entstand parallel zur Choreografie als gegenseitige Inspiration und Entzündung. Nun dient Johann Sebastian Bachs «Matthäus-Passion» als Vorbild. Platel und Cassol arbeiteten diesmal zeitlich versetzt: Während Platel noch mit «vsprs» um die Welt ...
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