Wigman Aneignung

Fabian Barba: "A Mary Wigman Evening" in Hamburg

Tanz - Logo

Klingt paradox: Ein Lateinamerikaner rekonstruiert deutschen Ausdruckstanz. Aber schon in seiner Ausbildung in Quito lernte der Tänzer aus Ecuador Mary Wigmans Namen kennen. Den Elementen des modernen deutschen Tanzes wollte er auf die Spur kommen, beschäftigte sich nach dem Studium bei P.A.R.T.S. in Brüssel als Residenzchoreograf am K3-Zentrum in Hamburg mit Wigmans Soli und hat für sein Abschlussprojekt nun neun davon einstudiert – nach Filmdokumenten, Fotos, Kritiken, Texten, mit Hilfe fachkundiger Beratung durch Susanne Linke, Irene Sieben und Katharine Sehnert.

In der Spannung zwischen Original und Interpretation meistert Barba einen riskanten Balance-Akt, der Bewunderung verdient. Er tritt hinter der Ikone des Ausdruckstanzes zurück, eignet sich Wigmans figurative Tänze wie Rollen an. Sarah-Christine Reuleke schneiderte die Originalkostüme seinen Körperproportionen entsprechend nach. Sie wirken streng und geschlechtsneutral, sein Körper wird zur Kunstfigur, zum Kostümkörper, wie ihn Oskar Schlemmer in seiner Typisierung durch Kostüm und Maske entwarf. Charakteristisch für diese Verwandlung ist das Solo «Space Figure» mit geometrischem Gewand-Schnitt und fahnenartig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Training and Trust

Zum Beispiel: «Accords». Das aktuelle Stück der belgischen Compagnie ZOO um den Schweizer Thomas Hauert ist musikalisch, intelligent, großzügig, witzig, spannend, kindlich verspielt, virtuos und manchmal gekonnt dilettantisch, das perlt und klumpt und schwärmt und singt, leicht wie ein Soufflé, dann expressionistisch, gleitet ins Lyrische, surft auf der Musik oder...

Männer jagten Mammuts

Das war nicht nur gefährlich, sie benötigten auch ein paar Tugenden, um zu überleben: Mut, Erfahrung, die Fähigkeit, geräuschlos zu kommunizieren und ähnliche Eigenschaften. Aber spätestens im alten Rom setzte sich die Meinung durch, dass ein Anführer nur deutlich genug Kommandos geben, auf die Untergebenen einen gewissen Druck ausüben und seine Autorität dadurch...

Sahra Huby

Sahra Huby hat den innerhalb der euro-scene Leipzig ausgetragenen Wettbewerb «Das beste deutsche Tanzsolo» gewonnen. Die Münchnerin zeigte in «Elephantengedächtnis» auf dem traditionell runden Tisch einen an Körper und Seele verletzten Menschen, der mit Hilfe von Krücken versucht, sich den Normen der Gesellschaft neu zu stellen. Der zweite Preis ging an Paloma...