Der Heilsame: Alain Platel
Nach der Schule wurdest Du Heilpädagoge. Was hat Dich dazu bewogen? Nach der Schule hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte. Ich war siebzehn Jahre alt und hatte Lust, für ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika zu gehen. Ich kam nach Bristow in Oklahoma. Oklahoma ist das Land der Cowboys und der Prärie, und Bristow ist eine ganz kleine Stadt am Ende der Welt, 3000 Einwohner, aber 32 Kirchen. Die Gastfamilie hatte sechs Kinder und einen Laden, der gerade Bankrott gemacht hatte.
Alle Kinder mussten das Geld, das sie fürs Schulessen oder für Schulbücher brauchten, selbst verdienen, ich auch. Ich bekam einen Job bei einer Lehrerin, die mit lernbehinderten Kindern arbeitete und mich zu all den unterprivilegierten Familien mitnahm. Da habe ich wirklich die Schattenseite Amerikas kennen gelernt, schreckliche Armut und Verwahrlosung. Diese Lehrerin arbeitete auch mit hirngeschädigten Kindern und nahm mich oft mit in ein Rehabilitationszentrum. Die Arbeit dort hat mich ungeheuer fasziniert, und deshalb beschloss ich nach meiner Rückkehr, Heilpädagogik zu studieren.
Was genau hat Dich daran fasziniert? Ich glaube, es war eine Mischung aus perversem Interesse an allem, was gestörtes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hallo. Ich bin Frau Endicott, eine Bausch-Tänzerin, die seit 1973 immer wieder dabei war. Eine sozusagen «Mit-Pionierin» des Tanztheaters Wuppertal. Komischerweise war ich die allererste Tänzerin, die das Tanztheater verlassen wollte, aber letztlich am längsten geblieben ist. Sei es als Tänzerin, Assistentin oder Probenleiterin. Meine Liebe zu Pina, ihre Stücke,...
Pina Bausch, Bridget Breiner, Xavier Le Roy, Constanza Macras, Jean-Christophe Maillot, Hans van Manen, Alain Platel, Martin Schläpfer, Superamas, Sasha Waltz: quer durch den berühmten Gemüsegarten. Wie choreografieren die neun Choreografen und das Choreografenkollektiv, das sagt, es choreografiere nicht?
Ausgewählt haben wir sie wie in einem Gemüsegarten: Was...
Xavier Le Roy, in E.X.T.E.N.S.I.O.N.S.* ging es darum, den Unterschied zwischen Probe und Aufführung aufzuheben. Betrifft dieser Ansatz Ihre Kreation generell? Nein. Aber ich versuche für gewöhnlich, dem Verhältnis zwischen Produktionsprozess und seinem Ergebnis höchste Aufmerksamkeit zu schenken, denn es scheint mir offensichtlich, dass das Ergebnis sehr davon...
