Tanz den Kontrapunkt
Wir denken mit unseren Beinen und gehen mit unserem Kopf
(Thomas Bernhard in «Gehen»)
Musik und Tanz: ein Herz und eine Seele. Könnte man denken, ist aber nicht so. Stattdessen ließe sich seit Guillaume du Manoir, dem Kapellmeister Ludwigs des XIV. und Autor des Buchs «Die Heirat zwischen der Musik und dem Tanz» (1664), von einer krisenhaften Ehe sprechen, die zahlreiche Scheidungen und oftmaliges Wiederverheiraten erlebt hat.
Sei es, dass der Choreograf die Komposition zum optischen Gassenhauer verstümmelt, oder aber der Komponist den Tänzer mit seinen Klangmassen scheußlich ertränkt. Belege für diese artistischen Bedrohungen gibt es zuhauf und zu allen Zeiten: Claudio Monteverdi forderte schon 1638 von den Choreografen einen Tanz, der sich mehr der Bedeutung und dem Ausdruck der Musik und der Sprache anpasse und sich nicht in trickreicher Beinarbeit erschöpfe, die die dramatische Bedeutung unsinnig überlagert. Mary Wigman flüchtete 1913 von der rhythmischen Gymnastik eines Emile Jaques-Dalcroze zu Rudolf von Laban. Jaques-Dalcroze hatte seine Eleven mit Bachs Fugen solang malträtiert, bis diese sich in deren Glieder eingeschrieben und räumlich materialisiert hatten. Dagegen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dansens Hus? It seems to be a case of “ars longa, vita brevis.” Confronted with the choice of whether to extend his contract as director of the Stockholm dance centre after 2008 or not, Kenneth Kvarnström decided that life is simply too short. While Kvarnström the bureaucrat was quite content in his influential position as director, Kvarnström the choreographer was...
Schon klar, ihren Weg von den Anfängen im Freien über die Residence an Marthalers Zürcher Schauspielhaus und die Partnerschaft mit der zumindest noch in revolutionärer Restwärme vor sich hinglimmenden Volksbühne bis zu den Salzburger Festspielen will sie nicht als Aufstieg ins Establishment verstanden wissen. Eher vielleicht als Husarenritt an die Front. Hier im...
Zehn lange Jahre hat Paro auf Devdas gewartet. Beide verbrachten eine glückliche Kindheit in der indischen Provinz. Dann wurde Devdas von seiner Familie nach London geschickt, um eine Ausbildung als Jurist zu absolvieren. Paro schwor ihm ewige Liebe und entzündete als Zeichen ihrer Treue eine Öllampe. «Diese Lampe wird nie erlöschen, die Flamme meiner Leidenschaft....
