Der Schwanensee
Schwer zu sagen, was Choreografen immer wieder dazu treibt, sich mit «Schwanensee» zu beschäftigen.
Ist es der Mythos, der die Menschwerdung als Metamorphose erklärt? Ist es die Geschichte eines Stücks, das am Anfang zum Scheitern verurteilt schien? Ist es die Musik Tschaikowskys, die dem Ballett eine sinfonische Größenordnung erlaubt, die es zuvor nicht besessen hat? Oder ist es doch wieder nur der durchschlagende Erfolg eines eskapistischen Sujets, das selbst dann noch seine zufriedenen Zuschauer findet, wenn die beteiligten Tänzer lahmen? An Versuchen, seine Wirkungskraft zu erklären, hat es nicht gefehlt. Dennoch ist nie so recht klar, was die Künstler an einem «Schwanensee» finden, den alle für so meisterlich halten, bei dem aber jeder Bearbeiter den Ehrgeiz entwickelt, das Werk noch logischer, vielschichtiger oder tiefgründiger erscheinen zu lassen als die Versionen zuvor.
Ein Beispiel: Noch während der Ouvertüre öffnet sich in Helsinki der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine beschneite Waldlichtung, die von Caspar David Friedrich stammen könnte. Tatsächlich hat Friedrich einen «Klosterfriedhof im Schnee» um 1819 ins Bild gebannt, auf dem sich offenbar auch das Grab von ...
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Preise, Preise, Preise. Martin Schläpfer, Direktor des Balletts am Rhein in Düsseldorf/Duisburg, erhielt so verdientermaßen wie erwartbar den Deutschen Theaterpreis des Deutschen Bühnenvereins, der Kulturstiftung der Länder und der Akademie der Darstellenden Künste, Der Faust, für sein Werk «Sinfonien» mit dem ballettmainz. Ein weiterer «Faust» ging an den Tänzer...
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Weil der römische Seneca, soweit wir ihn bisher gelesen haben, ein guter Pädagoge gewesen sein muss. «Je mehr wir in uns aufnehmen, umso größer wird unser geistiges Fassungsvermögen» – das stammt von ihm.
Er war Stoiker und glänzte nicht durch...
Eine hochgewachsene Frau weht herein, im bodenlangen roten Rock, geschäftig mit einem Blechtopf hantierend. Sie besorgt den Haushalt in der Kargheit der Bühne, die von einem asymmetrischen, weißen Trapez abgeschlossen wird. Das allein erzeugt ein Ungleichgewicht im Raum, eine Spannung. Die Frau ist gar keine: Sie wird gespielt vom Choreografen Jonas Byaruhanga....
