Orpheus

Der «Orpheus» von John Neumeier, betrachtet in einer langen Ahnenreihe von Noverre bis George Balanchine alias Mr. B.

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Der britische Psychoanalytiker Adam Limentani erzählte seinen Kollegen 1959 von «Mr. B.», einem besonderen Klienten. Jede Trennung stürzte diesen Mann in abgrundtiefe Verzweiflung. War der Therapeut telefonisch gerade nicht erreichbar, fürchtete Mr. B., er könne verstorben sein. Dass er den Arzt mit anderen Patienten teilen musste, schien unzumutbar. Jahrelang rangen der besitzergreifende Mr. B. und sein Doktor heftig miteinander, bis Marcel Camus’ «Orfeu Negro» ins Kino kam und die Erlösung brachte.

Die tragische Geschichte von Orpheus, der seine Geliebte aus dem Hades zurückholen will und sie stattdessen durch einen Blick zur Unzeit vernichtet, erwies sich als Katharsis: Mr. B., ein Anti-Ödipus sozusagen, versöhnte sich mit den unglücklichen Introjekten seiner Kindheit – allen voran einer Mutterfigur, die sich der Liebe verweigert hatte und deshalb in die Grabkammer des Unbewussten verbannt worden war. «Manche Dinge entziehen sich dem menschlichen Ausdrucksvermögen», erklärte Igor Strawinsky, der Komponist, der seinerseits 1948 einem anderen Mr. B. bei dessen «Orpheus»-Bearbeitung zur Seite gestanden hatte. Strawinsky ließ, das psychoanalytische Dilemma gleichsam spiegelnd, am ...

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Tanz Januar 2010
Rubrik: Titel, Seite 14
von Dorion Weickmann

Vergriffen
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