Gret Palucca
Gret Palucca ging Anfang der 1980er «vor laufenden Kameras auf eine Gruppe junger Schülerinnen zu und fragte sie gut gelaunt, was sie denn wollten vom Tanz. Ein Mädchen streckte sich und antwortete routiniert und deutlich, es gehe darum, den Menschen im Sozialismus eine Freude zu bereiten. Palucca stutzte, ihre Gesichtszüge verdüsterten sich, und sie sagte dann in schneidendem Ton, dass es ausschließlich darum gehe, Tanzen zu ‹müssen›.
»
Palucca, die Dresdner Pflanze im ewigen Kleinkrieg mit den Oberen der DDR, beharrte: «Ich möchte vor allen Dingen, dass meine Schüler ihre eigene Meinung im Tanz haben und nicht so fürchterlich brav bleiben.» Unbrav drosch die 1902 geborene, 1993 verstorbene Gründerin ihrer Dresdener Tanzschule durch die NS-Zeit. Als «Halbjüdin» wurde sie verraten, das 1925 gegründete Institut 1939 geschlossen. Unter Sowjetbesatzung konnte sie es bereits am 1. Juli 1945 wieder eröffnen in einer noblen Jugendstil-Villa, mit Hilfe ihres Freunds Willi Grohmann, Leiter des Dresdner Kulturamts. Er war ihr erster Biograf und Vermittler im ewigen Streit mit ihrer Lehrerin und Konkurrentin Mary Wigman.
Palucca, die Solotänzerin bei der Eröffnung der Olympischen Spiele ...
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