Helena Waldmann / Alain Platel

Tanz - Logo

Politisch und ästhetisch unabhängig, scheint die Kunst nur der Kunst zuliebe zu leuchten. Aber Künstler sollten ihr Recht wahrnehmen, ihre klaren Aussagen zu formulieren und ihre Arbeiten als ein Forum zu benutzen, um Alternativen zu denken, um ein Bewusstsein zu schaffen für das Andere, für andere Lebenskonzepte und Kulturen. Dass der Tanz dabei ohne viel Worte auskommt, hindert ihn nicht, so deutlich zu werden wie in den Arbeiten von Alain Platel und Helena Waldmann. Beide haben je eine eigene Ästhetik entwickelt, um so verständlich und klar zu sein.

Beide lassen den Zuschauer an einer Kunst teilnehmen, die in der Lage ist, die Sichtweisen auf die Wirklichkeit zu verändern. Weil es ihre Kunst ist, Wirklichkeit nachzuprüfen und zu erzeugen.
Bei Alain Platel ist es augenblicklich die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Religion, vor allem in «vsprs» und in «pitié!», die deutlicher als alles andere unsere Ratlosigkeit zeigen. «Nichts ist politischer als die Religion», hat Platel gesagt. Er zeigt auf eine Wunde, die sich nur schließen lässt durch eine «Fusion» von geistiger Unabhängigkeit und der Toleranz eines anderen Denkens und Lebens, nur durch die Liebe zum Andersartigen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 143
von Akiko Tachiki

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Kids

Mehr Aufmerksamkeit für die (Aus-)Bildung des Nachwuchses im Tanz! Diese Kinder in ihren schmutzigen Schläppchen und Tutu-Imitaten sind nicht nur «süß», und ihre Ausbildung soll nicht nur ihre Onkel und Tanten beeindrucken. Auf die Kinder und ihre Fähigkeiten kommt es an. Liebe, Freude und Disziplin!


 

Faustin Linyekula

«More, More, More... Future» nennt Faustin Lin-yekula sein neuestes Werk, eine Kongo-Punk-Performance. Denn in seiner Heimat hat niemand ein Recht auf Zukunft, findet er. Da rezitieren zwei Sänger traumhaft schöne und dabei hoch politische Texte eines Freundes. Der schreibt sie in seiner Gefängniszelle, ist politischer Gefangener. Linyekula mutet dagegen an wie der...

Wie antik ist die Klassik?

Eines Tages, so geht die Legende, erwachte der volkstümliche Mensch des Mittelalters aus seiner Bevormundung durch Gott und die Kirchenväter, indem er sich, angeleitet durch kluge Mönche, das Lesen und Schreiben beibrachte. Was dieser Mensch an unzähligen Feiertagen bei der Lektüre entdeckte, während Kriegswirren rundherum und die Entleerung der Landschaft durch...