Rettet den Striptease
Wenn Universitätsprofessoren sich für eine Kunstform interessieren, ist das ein Zeichen dafür, dass sie ziemlich tot ist. Wenn eine Form der Unterhaltungsindustrie im Sterben liegt, dann hat sie eine Notrufnummer: Call an artist! Gleich im Sechserpack. Rettet den Striptease! Die Kunst hat auch sonst schon stillgelegten Fabrikhallen und Kirchen neues Leben eingehaucht. Auch die Stripperinnen selbst zweifeln an der Zukunft ihres Metiers. Der männliche Kunde bringe die Geduld nicht mehr auf, die Hüllen so langsam fallen zu sehen. Trieb bedeutet schneller Konsum.
Erotik kapituliert vor der Pornografie.
«Zumindest in Belgien ist das so», sagt Dirk Pauwels von der belgischen Theatergruppe Victoria, der die Idee zu «Nachtschatten» (Nightshade) hatte und das Ereignis produzierte. Warum sollte Belgien eine Ausnahme sein? Stirbt der Striptease, steht die professionelle Stripperin am Scheideweg. Entweder wird sie Kellnerin oder Künstlerin. Sechs Stripperinnen und ein Stripper stehen in «Nachtschatten» auf der Bühne, gecoacht von der choreografischen Avantgarde aus Belgien, Italien und Portugal, von Alain Platel und Wim Vandekeybus bis Vera Mantero und Caterina Sagna über Johanne Saunier, ...
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Erinnerungsgerümpel, wohin das Auge blickt. Ein lebloser Ort, gleich der Wohnung eines Verstorbenen, die man räumen soll. Ein altes Sofa, davor ein Perserteppich. Ein Tisch, die Stühle wie nach Schulschluss oben drauf. Darunter stapelt sich Buch um Buch. Ein Regal voll Unrat steht am Bühnenrand, darauf ein leerer Vogelbauer. Ives Thuwis hockt in «Birdy»-Haltung...
Philipp Gehmacher ist unter den Choreografen der Fragwürdigste. Keiner befragt Tanz grundsätzlicher. 2004/05 entwickelte der Österreicher Incubator, zugleich auch Titel dieses Buches, zuerst als Performance für vier Tänzer aus puren Gesten. Ihr Ziel: das Zeichen aus dem Tanz zu vertreiben. Zusammen mit Angela Glechner und Peter Stamer gibt es jetzt 107 Seiten...
Ich treffe Jason Beechey in der Raffinerie, einer ehemaligen Zuckerfabrik in Brüssel, wo Charleroi/Danses seine Studios hat. In Dresden ist er seit diesem Semester Rektor der Palucca Schule, der einzigen eigenständigen Hochschule für Tanz in Deutschland. Die Ernennung kam nicht von ungefähr: Schon seit einigen Jahren kümmert sich Beechey in ganz Europa um die...
