Was an Schülern fasziniert
Erinnerungsgerümpel, wohin das Auge blickt. Ein lebloser Ort, gleich der Wohnung eines Verstorbenen, die man räumen soll. Ein altes Sofa, davor ein Perserteppich. Ein Tisch, die Stühle wie nach Schulschluss oben drauf. Darunter stapelt sich Buch um Buch. Ein Regal voll Unrat steht am Bühnenrand, darauf ein leerer Vogelbauer. Ives Thuwis hockt in «Birdy»-Haltung davor, als hätte er den Käfig soeben verlassen. Er dreht das Radio an, steht auf, lehnt sich an den Tisch und verschließt mit den Händen seine Augen. Die Arme breitet er in einer abwehrenden Geste aus.
Eine Mozart-Arie erklingt. Thuwis, völlig versunken, beginnt zu tanzen. Erinnerndes Streicheln über den eigenen Nacken, der Blick in die Ferne gerichtet. Ein wehmütiger Tanz. «Sehnsucht» hat der Belgier seine neue Produktion für das Forum Freies Theater in Düsseldorf genannt. «Ein schönes deutsches Wort», findet Thuwis, für das es im Flämischen keine Entsprechung gibt. Was des Dichters Schmerz ist, bereitet dem Tänzer und Choreografen «einfach ein schönes Gefühl». Dazu gehört für ihn auch Melancholie, denn gelöst wirkt er nicht, wie er in seinem Solo zu Beginn der Performance Balancen austariert, um an den Rand zurückzutreten ...
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Tanz November 2006
Rubrik: Tanz in Schulen, Seite 12
von Bettina Trouwborst, Günter Scheinpflug
«Tanz in Schulen» ist ein Modellprojekt des NRW Landesbüros Tanz. Wie ist es gelungen, andere Länder davon zu überzeugen, dass Tänzer die besseren Schüler sind? Wir haben keinen überzeugt, andere sind auf uns zugekommen. Mittlerweile gibt es die TanzZeit Berlin, «Tanz und Schule» in München und viele andere. Derzeit gründen sich sprunghaft überall Initiativen, ob...
Bin ich eine Person? Vielleicht bin ich deren zwei, vielleicht keine. Fragt Richard Siegal, robbt und reibt sich. Und je intensiver er sich an sich selber reibt, umso mehr soll ihn das wohl vor den Blicken der Zuschauer schützen. «Stranger/ Stranger Report» wäre nicht mehr als eine weitere dieser Brainstorming-Performances mit Kapuze, Motorradhelm und Monitoren,...
Philipp Gehmacher ist unter den Choreografen der Fragwürdigste. Keiner befragt Tanz grundsätzlicher. 2004/05 entwickelte der Österreicher Incubator, zugleich auch Titel dieses Buches, zuerst als Performance für vier Tänzer aus puren Gesten. Ihr Ziel: das Zeichen aus dem Tanz zu vertreiben. Zusammen mit Angela Glechner und Peter Stamer gibt es jetzt 107 Seiten...
