Vorhangene Zukunft
Nein
sagt Vlado Gotwan Repnik. Wir sitzen in einem alten Café in Ljubljana. Repnik choreografiert Theatervorhänge, lässt sie öffnen und schließen, heben und senken. Ihre schwingenden Bewegungen findet er interessanter als die von Tänzern. 2023, sagt er, wird die alte Trennung der Künste aufgehoben sein. Choreografie wird schon jetzt immer theaterlicher. Theater immer choreografischer. Es setzt sich fort, was in den 1980er Jahren durch Globalisierung, Internet und den Fall des Sozialismus begann.
Alle Künste antworteten auf die Beschleunigung mit Langsamkeit: Robert Wilson, Jan Fabre, Hans-Peter Kuhn. Im Schneckentempo fanden die Künste zusammen. Die Maler, die Choreografen, die Musiker. Heute in solch langsamen Kollektiven zu arbeiten, sei gut, sagt er. Einander widersprechende Künstler wittern besser, was der Menschheit droht. Kunst könne warten und beobachten, was unbewusst und politisch tatsächlich geschieht. Die Welt 2023 wird noch schneller sein als heute. Nur niemand wird schneller tanzen, malen, filmen. Kunst werde den mentalen Desastern antworten, die aus ökologischen, neo-imperialen und medizinischen Katastrophen entstehen. Sie werde beobachten, wie Menschen an einer Ampel ...
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