Akram Khan: «Bahok»
Wer je in China war, kennt das Gefühl. Schon nach dem Weg zu fragen, bereitet Unkundigen große Schwierigkeiten. Lesen geht nicht, Gesten können in völlig falsche Richtungen weisen. «Ich bin nicht von hier», versucht Eulalia Ayguade Farro zu sagen. «Ich komme von weit weg.» Aber woher? Meng Ning Ning vom National Ballet of China will es wissen, aber die Spanierin, die in Großbritannien lebt, kann gar nicht wie antworten. Nicht nur, weil sie nicht Mandarin spricht. Sie weiß es einfach nicht.
Spanien, Großbritannien, Weltbürgerin? Für Akram Khan, seine Kompanie und die drei Tänzer des National Ballet of China ist es eine die Reise ohne An- und Herkunft.
Man trifft sich im leeren Raum, den Fabiana Piccioli, Sander Loonen und Akram Khan wie einen Bahnhof konzipiert haben. Die Anzeigetafel über den Köpfen spielt verrückt und lässt Buchstaben rattern: «Please Wait», «Delayed», «Rescheduled». Auskünfte, die zu verzweifelten Solos und wundersamen Duetten führt: Shanell Winlock eruptiv wie ein Geysir; Young Jin Kim ein fuchtelndes Nervenbündel; Saju tanzt gegen sich und die Welt; Zhang Zhenxin immer im schnellen Wechsel zwischen eleganter Pirouette und zerfallenden Formen. Andrej Petrovic und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Li Wei
der 1970 geborene und in Beijing lebende Künstler, hat riesigen Erfolg auf dem internationalen Kunstmarkt. Ähnlich wurde nach dem Fall der Mauer auch die Neue Leipziger Schule berühmt. Man kaufte und sammelte die einfache Lesbarkeit des bis dato Fremden, die Rückkehr des «Realismus», das Unverrätselte der Kunst. Die DDR, Schlupfwinkel der Andeutung, schien so...
Jérôme Bel genoss in London eine Retrospektive. Gehört er nicht – wie Meg Stuart, Benoît Lachambre, Xavier Le Roy – zu diesem Konzept-Tanz? Nun, man muss wissen, dass zwischen dem europäischen Festland und den britischen Inseln ein Meer liegt, so weit, dass es weder überbrückbar noch untertunnelbar ist. Es nennt sich: the Taste Gap. Man ist zwar in zwei Stunden in...
Wayne McGregor ist das Superbrain des britischen Tanzes. Der 37-Jährige hat sich als Schöpfer aufregender und befremdender Bühnenuniversen einen Namen gemacht. Mit seiner Londoner Random Dance Company gelangen ihm bahnbrechende Produktionen, in denen er innovativ mit neuen Technologien experimentierte. McGregor, der als erster Künstler ein Forschungsstipendium für...
