Avantgarde! Subversion! Testosteron!

Das Impulse-Festival 2009 überrascht mit elf Produktionen, von denen neuneinhalb auf einer ganz normalen Guckkastenbühne stattfinden — ein Jurorinnen-Überblick über die Freie Szene

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Auch wenn es nicht immer danach aussieht, hat das Theaterkritikerleben durchaus seine angenehmen Seiten. Was bis dato allerdings wirklich nicht dazu gehörte, ist ein chronisch erhöhter mentaler Wellness-Faktor.

 

Mit meinem Eintritt in die Jury des Impulse-Festivals vor zwei Jahren hat sich das fundamental geändert.

Während sich zum Beispiel das Auswahlgremium fürs Theatertreffen kaum, dass die Berliner Festspiele die Liste rundgemailt haben, auf Schritt und Tritt für nie wieder gut zu machende Versäumnisse und noch schwerer wiegende Geschmacksverirrungen zu rechtfertigen hat, schlugen mir nach Bekanntgabe des Impulse-Programms aus der Kollegenschaft verdächtig warmherzige Töne entgegen. «Total interessante Auswahl», «superspannend», «da muss ich echt mal nach NRW» – mit anderen Worten: Die professionelle  Komplimentenkette wollte gar nicht mehr abreißen.

 

Mit minimalem investigativen Aufwand konnte der außergewöhnliche Vorgang schnell geklärt werden: Jenseits von Szene-übergreifenden Künstlern wie Hans-Werner Kroesinger oder Gob Squad fielen – ähnlich wie mir vor zwei Jahren – den Kollegen einfach gar nicht genügend Alternativen aus dem freien Betrieb ein, um ein ernsthaftes ...

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