Zeitlos abstrakt
Als Charlotte im «Werther» an der Wiener Staatsoper erinnerte Elīna Garanča vor einigen Jahren an Grace Kelly in «High Society». Und auch nun, in Camille Saint-Saëns’ «Samson et Dalila», mag man schon beim ersten Auftritt der lettischen Mezzosopranistin an die amerikanische Filmaktrice denken. Was die Garanča selbst vermutlich nicht überraschen würde – begegnet sie der kühlen Blonden doch jeden Tag quasi im Spiegel. Doch wie man Grace Kelly nicht zu Hedy Lamarr hätte wandeln können (und Cecil B.
DeMille die Kelly kaum als Dalila besetzt hätte), wäre es umgekehrt auch fatal, die Titelfigur in der Neuproduktion der Wiener Staatsoper angesichts Elīna Garančas nach dem Design von Legenden wie Jean Madeira oder Rita Gorr zu modellieren.
Alexandra Liedtke, die nun in Wien für die Regie verantwortlich zeichnet, nimmt den von der Lettin verkörperten Typ eins zu eins. Also ist Dalila eben kein mühsam gedeckelter Vulkan mit Unterleibsdynamik, sondern erscheint als bei aller Attraktivität hirngesteuerte Frau, die in einer von Männern beherrschten Welt konsequent ihren Vorteil sucht. Ein #SheToo, wie es im Business heutzutage durchaus vorkommen soll.
Die Regisseurin verzichtet jedoch auf ...
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