Schocktherapie für Giovanni
In den vier Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Heartbeat Opera unter New Yorks Off-Broadway-Kompanien mit ihrem Markenzeichen hervorgetan: Bekannte Repertoirestücke werden auf brandaktuelle Themen abgeklopft, beschnitten, umgestellt, kurz: pointiert. Dabei können sich die künstlerischen Leiter Ethan Heard und Louisa Proske auf ein fähiges Musikerteam stützen. Daniel Schlosberg besorgt Kammerarrangements, Jacob Ashworth teilt sich mit ihm die Adaptions- und Dirigierpflichten. Auf der Höhe der Zeit soll das Ergebnis sein, deshalb für Opernneulinge wie -kenner geeignet.
Ein ehrgeiziger Anspruch. Zwar stellt sich nicht immer der erhoffte Aha-Effekt ein, langweilig geht es in Heartbeat-Produktionen dennoch nie zu – und das musikalische Niveau ist hoch.
Letztes Jahr nahm Heard mit «Madama Butterfly» das Yellowfacing und den westlichen Asien-Blick aufs Korn. Proske verlegte ihre brillante «Carmen» unterdessen an die mexikanisch-texanische Grenze, wo sie José als US-Beamten patrouillieren und Bizet-Handyklingeltöne eine Schlüsselrolle spielen ließ. Das diesjährige Spring Festival präsentiert sich mit einem Black Lives Matter-«Fidelio» sowie einem #MeToo-«Don Giovanni». Für die ...
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