Schocktherapie für Giovanni

Wie die New Yorker Heartbeat Opera Klassiker mit Themen unserer Zeit kurzschließt

Opernwelt - Logo

In den vier Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Heartbeat Opera unter New Yorks Off-Broadway-Kompanien mit ihrem Markenzeichen hervorgetan: Bekannte Repertoirestücke werden auf brandaktuelle Themen abgeklopft, beschnitten, umgestellt, kurz: pointiert. Dabei können sich die künstlerischen Leiter Ethan Heard und Louisa Proske auf ein fähiges Musikerteam stützen. Daniel Schlosberg besorgt Kammerarrangements, Jacob Ashworth teilt sich mit ihm die Adaptions- und Dirigierpflichten. Auf der Höhe der Zeit soll das Ergebnis sein, deshalb für Opernneulinge wie -kenner geeignet.

Ein ehrgeiziger Anspruch. Zwar stellt sich nicht immer der erhoffte Aha-Effekt ein, langweilig geht es in Heartbeat-Produktionen dennoch nie zu – und das musikalische Niveau ist hoch.

Letztes Jahr nahm Heard mit «Madama Butterfly» das Yellowfacing und den westlichen Asien-Blick aufs Korn. Proske verlegte ihre brillante «Carmen» unterdessen an die mexikanisch-texanische Grenze, wo sie José als US-Beamten patrouillieren und Bizet-Handyklingeltöne eine Schlüsselrolle spielen ließ. Das diesjährige Spring Festival präsentiert sich mit einem Black Lives Matter-«Fidelio» sowie einem #MeToo-«Don Giovanni». Für die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von David Shengold

Vergriffen
Weitere Beiträge
Elegante Präzision

Es war Gerard Mortier, der ihn für das Musiktheater gewann. Und das Stück, das der damals, 1982, gerade angetretene neue Intendant der Brüsseler Monnaie-Oper für Karl-Ernst Herrmann und seine Ehefrau Ursel ausgewählt hatte, war Mozarts «Clemenza di Tito». Jenes späte, sinnesprall tragische «Dramma serio», das in seinem psychologischen Tiefgang weit über die...

Aufklärung durch Entertainment

Frau Steier, Sie wollten ursprünglich Sängerin werden, haben am Oberlin Conservatory in Ohio in den 1990er-Jahren ein komplettes Studium absolviert. Warum ist daraus nichts geworden?
Ich hatte einfach nicht die Nerven für diesen Beruf. Das Singen an sich war nicht das Problem. Erst recht nicht das Spielen auf der Bühne. Aber beides zusammen? Da bin ich immer in...

Komponierte Regie

Das von Richard Erkens in der Komponisten-Reihe der Verlage Metzler und Bärenreiter herausgegebene «Puccini-Handbuch» schafft endlich die Grundlage für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jahrzehntelang nicht nur in Deutschland unterschätzten populären Musikdramatiker. Es macht Schluss mit der hochmütigen Verachtung durch die Gebildeten, aber auch mit der...