Nichts als Träume
Das Leben? Eigentlich ist es nur ein Spiel. Ein Glücksspiel. Manchen Menschen gibt Fortuna die richtigen Karten in die Hand, damit sie die angenehmen, luxurierenden Seiten des Daseins genießen können – bis irgendwann der Tod vor der Tür steht, milde lächelnd. Anderen gönnt sie nicht einmal die Möglichkeit der Liebe, nur den Schatten oder die Ahnung davon, wie zum Beispiel Hermann und Lisa, Puschkins poetisch-traurigem Paar. Für beide besteht dieses Leben aus nichts als Träumen, allerdings aus Träumen, die tiefer sind, als der Tag gedacht.
Albträume sind es, und wer anders als Peter Iljitsch Tschaikowsky sollte sie so schonungslos, sentimental und schmerzlich schön in Töne fassen?
Ein flüchtiger Blick in die Partitur seiner «Pique Dame» genügt, um zu wissen, wie diese Albträume klingen. Die Reise durch die Finsternis geht von h-Moll nach b-Moll, von Todestonart zu Todestonart. Wobei: Die «Abschiede» unterscheiden sich. Im h-Moll des Anfangs drückt sich unermessliches Leid aus, dem finalen b-Moll hingegen wohnt die (göttliche?) Aura des Versöhnlichen inne, etwas Spirituelles, wenn nicht gar Religiöses. Jedenfalls etwas Tröstendes, insbesondere dann, wenn man das so innig entrückt ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme...
Glyndebourne, dieser Landsitz samt Opernhaus mitten im hügelsanften Sussex, scheint aus der Zeit gefallen zu sein. So kommt es einem vor, wenn zur Festivalzeit mit Weidekörben bestückte Londoner in Smoking und Abendkleid per Zubringerzug anreisen und in den weiten Gärten neben grasenden Schäfchen ihre Picknickclaims markieren, um vor der Vorstellung und in der...
Gott würfelt nicht. Nie. Gott folgt einem klaren, graniten verfugten Schöpfungsplan. Die Götter Griechenlands hingegen, ohnehin eine überaus bunte Versammlung apart-disparater Naturgewalten und neurotischer Temperamente, haben es damit nie so ganz genau genommen. Kam es ihnen in ihren launischen Sinn, lockten sie die Irdischen auch mal heraus aus ihrer kleinen...
