Freiheit lieben
Fantastische Pianisten und glühende Patrioten waren sie beide. Damit aber enden im Wesentlichen die Gemeinsamkeiten zwischen zwei der schillerndsten polnischen Musiker-Persönlichkeiten des 19. (respektive 20.) Jahrhunderts. Während Fré-déric Chopin jenem Instrument treu blieb, mit dem er auch noch flammendste humanistische Botschaften in die Welt zu senden beabsichtigte, strebte Ignacy Jan Paderewski über das Klavier hinaus; ihm genügte der internationale «Tasten»-Ruhm nicht, er wollte mehr: Größeres, Epischeres, Umfassenderes.
Angetrieben von diesem unbändigen Willen und einem veritablen Talent eroberte er – als Ministerpräsident und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik – nicht nur die politische Sphäre, sondern irgendwann auch das weite Feld des Musiktheaters. Ironie des Zufalls: «Manru», Paderewskis einzige Schöpfung auf diesem Gebiet, erblickte im selben Jahr (1901) das Licht der Welt wie Giacomo Orefices Oper «Chopin».
Was beide Bühnenwerke verbindet, ist die traurige Tatsache, dass sie bald danach in Vergessenheit gerieten. Was jedoch im Fall von Orefices unspezifischem Opus als durchaus gerechtfertigt erscheint, kann für Paderewskis Musikdrama nicht gelten. ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Vor genau 100 Jahren ereignete sich ein kulturhistorischer Donnerschlag: die Berliner Uraufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens». Vieles kam da zusammen: der schwarzromantische Vampir-Topos, die Verunsicherung nach dem Ersten Weltkrieg und last, not least eine unerhört suggestive Kino-Phantasmagorie, die bis heute...
Nur einmal in der Geschichte der Met, 1979 war das, wurde Verdis «Don Carlos» bislang mit dem dramaturgisch so ungemein wertvollen Fontainebleau-Akt gegeben. Insofern war es eine gute Entscheidung des Hauses, als Grundlage für die aktuelle Produktion auf die fünfaktige französischsprachige Erstfassung zurückzugreifen – allerdings (und dies nicht eben zum Vorteil...
Demokratie ist Diskussion. Sie muss Meinungsäußerungen der einen Seite aushalten, die für die andere eigentlich unerträglich sind. Die Rede des einen erlaubt die Gegenrede des anderen. Der Geist der Freiheit will es so. Die Griechen, deren Vorfahren einst die Demokratie erfanden, sind geübt darin, sie vertreten dieses Recht mit enormer Leidenschaft – lautstark und...
