Fährtenleger mit Humor

Er weiß, wie man das Publikum herumkriegt: Tobias Kratzer präsentiert in seinen Inszenierungen eine Kulinarik, unter der Dunkles gärt. So auch in dieser Saison, in der «Frau ohne Schatten» an der Deutschen Oper Berlin und im Münchner «Rheingold». Jetzt ruft der Intendantenposten in Hamburg

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Schizophrenie gehört bei ihm zur Karriere. Ab diesem Herbst sitzt Tobias Kratzer an beiden Seiten des Tisches zugleich, als interpretierender Künstler und als jener, der das alles bezahlt: als Herr über die Hamburgische Staatsoper. Eine Persönlichkeitsspaltung der anderen Art hat er schon hinter sich, 2008 war das. Beim Ring Award in Graz trat der gebürtige Niederbayer in gleich doppelter Gestalt an, unter den Pseudonymen Ginger Holiday und Nedko Morakov. Die Geschichte ist oft und gern erzählt worden. Mit seiner aktuellen Doppelfunktion gehört Kratzer einer aussterbenden Spezies an.

Künstlerintendant, so etwas war einmal die Regel. In Hamburg erinnert man sich noch an das Intermezzo von Kurt Horres (1984/85), an August Everding, der das Haus von 1973 bis 1977 leitete, vor allem aber an den Langzeitprinzipal Rolf Liebermann, der von 1959 bis 1973 sowie zwischen 1985 und 1988 auf dem Thron saß.

An einer großen Karrierescheide steht der «Regisseur des Jahres» damit, und sie kommt in seinen Augen gerade recht. Auch andere Häuser buhlten um Kratzer, die Deutsche Oper Berlin zum Beispiel. Im Nachgang ist er doppelt froh, sich das nicht angetan zu haben – den Sparkurs in der Hauptstadt ...

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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Regisseur des Jahres, Seite 30
von Markus Thiel

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