CD des Monats: Im Garten der Lust
Der Dichter fabuliert im nächtlich narkotisierten Raum. Und eigentlich will er nur seiner Liebe Ausdruck verleihen. Doch das ist passé, die Angebetete hat ihn zurückgewiesen. Also zwinkert er ihr, mit gespitzter Feder, ein letztes Mal zu: «Sing nicht, du Schöne, sing nicht mehr, / Grusiniens gramerfüllte Lieder. / Sie rufen ferne Ufer her, / Sie wecken altes Leben wieder.» Und weiter treibt es ihn, schmerzerfüllt, voller Wehmut: «Die mitleidlose Melodie / Ruft, ach, aus längst versunkener Ferne / Die Steppe und die Nacht – und sie, / Das arme Kind, im Licht der Sterne.
» Ist da noch Hoffnung? Ja, ein Fünkchen glimmt: «Die liebe, dunkle Traumgestalt, / Vergesse ich, wenn ich dich sehe; / Du singst vor mir – und mit Gewalt / Ergreift mich wieder ihre Nähe.» Es waren wohl vor allem diese traumartigen Verse, die Sergej Rachmaninow inspirierten, das zweite Gedicht aus Puschkins Zyklus «Alle Augen» zu vertonen, erlaubten die Zeilen ihm doch, der Singstimme durch des Dichters Worte hindurch seine eigenen Seelenqualen zu überantworten. Doch nicht einmal Rachmaninow konnte ahnen, mit welcher ungezügelt-ursprünglichen Vehemenz diese Musik dereinst auf uns herabprasseln würden – als Statement ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 33
von Jürgen Otten
Hören Sie – die Stille – kann man sie hören?» Eine Rhetorik der permanenten zweifelnden Zurücknahme oder halben Dementierung prägt das vom Komponisten stammende Libretto, sein zweites nach seinem ebenfalls an der Nederlandse Opera uraufgeführten «Orest». «Ich habe ihn geliebt – liebte ich ihn?» Vagheit, von der schon Berlioz im Hinblick auf eine neue Ästhetik der...
Mit wenigen Erzählstoffen hat sich Georg Friedrich Händel ausführlicher beschäftigt als mit der im 13. Buch von Ovids «Metamorphosen» geschilderten Geschichte von Aci und Galatea. Polifem, der einäugige Riese, verkörpert den Ätna, der Hirt Aci den gleichnamigen kleinen Fluss, der sich von den Höhen des Vulkans ins Mittelmeer ergießt. Die Liebe zwischen der...
Ernst Kreneks extrem zwischen den Genres schwankende Oper «Jonny spielt auf» brachte ein Jahr nach ihrer Leipziger Uraufführung am Gärtnerplatztheater München 1928 den Skandal: Schlägereien, Polizei, Morddrohungen. Ausgelöst wurde der Krawall jedoch nicht durch das damals noch übliche und offenbar erwünschte Blackfacing der titelgebenden Hauptfigur. Dass ein...
