CD des Monats: Im Garten der Lust
Der Dichter fabuliert im nächtlich narkotisierten Raum. Und eigentlich will er nur seiner Liebe Ausdruck verleihen. Doch das ist passé, die Angebetete hat ihn zurückgewiesen. Also zwinkert er ihr, mit gespitzter Feder, ein letztes Mal zu: «Sing nicht, du Schöne, sing nicht mehr, / Grusiniens gramerfüllte Lieder. / Sie rufen ferne Ufer her, / Sie wecken altes Leben wieder.» Und weiter treibt es ihn, schmerzerfüllt, voller Wehmut: «Die mitleidlose Melodie / Ruft, ach, aus längst versunkener Ferne / Die Steppe und die Nacht – und sie, / Das arme Kind, im Licht der Sterne.
» Ist da noch Hoffnung? Ja, ein Fünkchen glimmt: «Die liebe, dunkle Traumgestalt, / Vergesse ich, wenn ich dich sehe; / Du singst vor mir – und mit Gewalt / Ergreift mich wieder ihre Nähe.» Es waren wohl vor allem diese traumartigen Verse, die Sergej Rachmaninow inspirierten, das zweite Gedicht aus Puschkins Zyklus «Alle Augen» zu vertonen, erlaubten die Zeilen ihm doch, der Singstimme durch des Dichters Worte hindurch seine eigenen Seelenqualen zu überantworten. Doch nicht einmal Rachmaninow konnte ahnen, mit welcher ungezügelt-ursprünglichen Vehemenz diese Musik dereinst auf uns herabprasseln würden – als Statement ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 33
von Jürgen Otten
Der Text war brisant. Und kursierte deswegen anfangs in der Deutschen Demokratischen Republik nur «unter der Hand». Letztlich aber konnte (und wollte) auch sein Autor nicht verhindern, dass er in die breite Öffentlichkeit drang und dort, was Wunder, heiß diskutiert wurde. Nichts Geringeres nämlich hatte der umstrittene Dramatiker Peter Hacks versucht, als – in...
Am 11. März 2022 hatte Ernst Kreneks Oper «Jonny spielt auf» ihre Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater. Intendant Köpplinger betrat die Bühne, verkündete Spenden und Solidarität mit der Ukraine. Starker, warmer Applaus. Dann begann die Vorstellung. Bevor Jonny so richtig loslegen darf, malen zwei Maskenbildnerinnen-Darstellerinnen ihn auf der Bühne in der Mitte...
Einer Sache kann man sich im oft wenig überraschenden Opernbetrieb sicher sein: Inszeniert David Marton, bekommt man etwas, das man in dieser Form vermutlich noch nicht gesehen hat. Auch wenn, wie im vorliegenden Fall, Corona eine gewisse Mitschuld trägt. Ursprünglich sollte Marton am Opernhaus Zürich «L’olimpiade» von Giovanni Battista Pergolesi inszenieren, eine...
